Wege aus der Überwachungskatastrophe

Hannover, 13. Februar 2014:

Wege aus der Überwachungskatastrophe: Ethik im digitalen Raum

Der Zustand des Netzes, als das es sich inzwischen entpuppt hat, war Thema des SUMA-Kongresses am gestrigen Mittwoch. Der "Verein für freien Wissenszugang - SUMA-EV" hatte zum Kongress im Neuen Rathaus der Landeshauptstadt Hannover geladen. Unter dem Titel "Wege aus der Überwachungskatastrophe: Ethik im digitalen Raum" waren mehr als 50 Teilnehmende, darunter IT Spezialisten, aber auch Theologen und Pädagogen, zusammengekommen, um gemeinsam über Handlungsspielräume und mögliche neue Wege zu debattieren.

"Spätestens die Reaktionen auf Edward Snowdens Enthüllungen haben gezeigt: die USA haben ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Die netzpolitische Wende muss von Europa ausgehen", fordert Wolfgang Sander-Beuermann, geschäftsführender Vorstand des Vereins für freien Wissenszugang "SUMA-EV". Entrüstung, Enttäuschung und Ahnungslosigkeit seitens der Politik wurde bezüglich des Umgangs mit Edward Swnoden zum Ausdruck gebracht. Dass die Hackerszene und Organisationen wie SUMA-EV offensichtlich nicht an Paranoia litten - wie in der Vergangenheit so gerne behauptet wurde - stellte Andy Müller-Maguhn vom Chaos Computer Club gleich zu Beginn seines Vortrags klar. Nun sei das Ausmaß der Spionage auch in der breiten Öffentlichkeit angekommen. An Europa als treibende Kraft im digitalen Raum der Zukunft glaube er nicht. "Als vermutet wurde, dass Snowden in einem Passagierflugzeug saß, wurde einfach mal fast der gesamte europäische Luftraum gesperrt, nur weil die USA es so wollten", argumentiert Müller-Maguhn.

Über eine Sache sind sich die Mitdiskutanten jedoch einig: ein Status-Quo ist keine Option: "Es ist eine komplexe, interkulturelle Angelegenheit. Die Freiheit, etwas zu verbergen, ist der entscheidende Punkt. Jeder muss definieren können, wie viel er von sich preisgibt, das muss der Staat gewährleisten. Wenn das nicht möglich ist, dann geht es in die Richtung eines totalitären Systems", sagt Rafael Capurro, Professor für Informationsethik an der Hochschule der Medien in Stuttgart.

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Der mit 2500 Euro dotierte SUMA Award 2013 ging in diesem Jahr an den Kurzfilmautor "Manniac" für seinen Film "Der Überwachungsstaat", der auf amüsante Art und Weise die Risiken einer totalen Überwachung skizziert. Den Grund für die Preisvergabe erklärte der Erfinder des MP3-Verfahrens Karlheinz Brandenburg in seiner Laudatio: Es wird nicht einfach nur plakativ über den Überwachungsstaat geschimpft und der Moralknüppel geschwungen. Der Film regt zum Nachdenken an: "Eine Million Zuschauer sprechen für sich. Glückwunsch an die Jury, Glückwunsch an Sie!"

Der SUMA-EV, 2004 gegründet, hat seinen technologischen Beitrag für eine eigenständige, lauschfreie Netzinfrastruktur bereits gelegt. Mit MetaGer betreibt er die einzige nennenswerte größere deutsche Suchmaschine, auf der neutral und ohne Preisgabe der Nutzerdaten im Internet recherchiert werden kann. MetaGer wurde ab dem Jahr 1996 an der Universität Hannover entwickelt und wird seit 2012 vom SUMA-EV in eigener Regie betrieben. Es ist dem gemeinnützigen Verein gelungen, diese Suchmaschine ohne Fremdfinanzierung zu betreiben.

Doch auch für SUMA-EV und MetaGer gibt es eine Vor- und eine Nach-Snowden Ära im Internet. So arbeitet der Verein zurzeit an systematischen, weiteren Verschlüsselungen im Betrieb und der Nutzung der Suchmaschine. Bereits realisiert ist der ausschließliche Zugang über https, ein Zugang über das TOR-Netzwerk, und demnächst wird ein anonymisierender Proxy dieses Angebot abrunden.

Ob es nun der Europäischen Union gelingen wird, sich als treibende Kraft im digitalen Raum zu profilieren, sei dahingestellt. Mit Worthülsen, Floskeln und frommen Wünschen wird dies nicht möglich sein. "Weder trivial noch billig wird ein lauschfreies, europäisches Internet sein", stellt Wolfgang Sander-Beuermann klar. Ähnlich wie bei der Erfolgsgeschichte Airbus, muss Europa sich die Mittel geben, seine Ziele auch zu erreichen.

"Der Worte sind genug gewechselt, lasst mich auch endlich Taten sehen!", so der Appell an Bundesregierung und EU.

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