{"id":1217,"date":"2019-06-24T11:02:17","date_gmt":"2019-06-24T09:02:17","guid":{"rendered":"https:\/\/beta.suma-ev.de\/?page_id=1217"},"modified":"2019-06-24T11:02:17","modified_gmt":"2019-06-24T09:02:17","slug":"internet-monopoly-und-was-dagegen-zu-tun-ist","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/suma-ev.de\/en\/pressemitteilungen\/internet-monopoly-und-was-dagegen-zu-tun-ist\/","title":{"rendered":"&#8222;Internet-Monopoly&#8220; und was dagegen zu tun ist"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">&#8222;Internet-Monopoly&#8220; und was dagegen zu tun ist<\/h2>\n\n\n\n<p>Pressemitteilung, 16.2.2012<\/p>\n\n\n\n<p>Wieso Internet-Monopoly? Wer bei Wikipedia \u00fcber das Ziel von Monopoly<br>\nnachschl\u00e4gt, erh\u00e4lt die Antwort: &#8222;Ziel des Spiels ist es, ein<br>\nGrundst\u00fccksimperium aufzubauen und alle anderen Mitspieler in die<br>\nInsolvenz zu treiben&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind auf dem besten Weg dorthin.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Internet, als dezentrale Infrastruktur f\u00fcr Information und<br>\nKommunikation entwickelt, ist im Begriffe, sich vom Grund her zu<br>\nver\u00e4ndern. Einige weltweit t\u00e4tige Player, allen voran Google, Facebook<br>\nund Apple, haben f\u00fcr ihre Bereiche quasi das Monopol \u00fcbernommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Monopole sind hinderlich f\u00fcr eine weiterhin offene Entwicklung des<br>\nInternets. Das zeigt sich bei Apple, wenn das Unternehmen versucht,<br>\nseinen Teil vom Internet zu separieren und abzugrenzen; das zeigt sich<br>\nbei Facebook, das mit einem Schuss Gr\u00f6\u00dfenwahn will, dass wir uns alle<br>\ndigital nackt zeigen, obwohl sich das Unternehmen selbst in vornehmes<br>\nSchweigen h\u00fcllt, wenn es um Datenschutz und Transparenz im Umgang mit<br>\nDaten geht.<\/p>\n\n\n\n<p>Monopole sind aber geradezu gef\u00e4hrlich, wenn sie sich auf die zentrale<br>\nRessource unserer Gesellschaft bezieht: Die Information. Gefunden zu<br>\nwerden hei\u00dft, gegoogelt zu werden. Das digitale Sein oder nicht Sein<br>\nwird von und \u00fcber Google definiert.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;&#8217;Was ist zu tun?&#8220;&#8216;<\/p>\n\n\n\n<p>Politisch sehen wir zwei Ansatzpunkte:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Erstens Alternativen f\u00f6rdern.<\/li><li>Zweitens faktische Monopole regulieren, wof\u00fcr zahlreiche Vorschl\u00e4ge und Ideen vorhanden sind &#8211; alleine der politische Wille, sie  durchzusetzen, begrenzt sie.<br>\n&#8220;&#8217;Zur Frage der Alternativen:&#8220;&#8216;<br>\nGrunds\u00e4tzlich wurden auf europ\u00e4ischer Ebene zahlreiche Projekte im<br>\nBereich des Internet gestartet. Dabei wurden zwar Forschungsgelder im<br>\nMilliardenbereich  verbrannt, aber ohne dass sie auf die Entwicklung <br>\ndes Internet irgend einen Einfluss gehabt h\u00e4tten. Die F\u00f6rderung von<br>\nAlternativen kann nur dann ein Weg sein, wenn nicht Gro\u00dfunternehmen<br>\ndamit beauftragt werden, sondern die Dynamik des Netzes, Start-Ups,<br>\netc. angesprochen werden, um ihre Ideen weiter zu entwickeln.  Das<br>\nInstrumentarium der Forschungsf\u00f6rderer ist aus dem vorigen Jahrhundert<\/li><li>es muss dringend aktualisiert werden.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Zudem ist zu diskutieren, in welcher technologischen Richtung aktuell<br>\ngeforscht werden sollte. Wir pl\u00e4dieren daf\u00fcr, technologische          <br>\nPlattformen zu f\u00f6rdern, die aufgrund ihrer technologischen Struktur<br>\nnicht bzw. nur schwer monopolisierbar sind. P2P-Suche, YaCy,<br>\nweiterentwickelte UUUP-\u00e4hnliche Netze ohne zentrale Instanzen oder<br>\nFreifunknetze  sind bereits vorhandene Ans\u00e4tze.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn das n\u00e4chste Google vielleicht nicht aus Europa kommen wird,<br>\ndie Fortentwicklung der Suchmaschinentechnologie als &#8222;Kulturtechnologie<br>\nder digitalen Gesellschaft&#8220; sollte in Deutschland und Europa weiterhin<br>\nerforscht, entwickelt und gelehrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Und nicht vergessen werden sollte auch die F\u00f6rderung der              <br>\nNutzerkompetenz. Nur aufgekl\u00e4rte und informierte Nutzer werden die  <br>\nskizzierten Ver\u00e4nderungen erkennen und sich m\u00f6glicherweise f\u00fcr ein  <br>\nanderes Verhalten entscheiden.     <\/p>\n\n\n\n<p>&#8220;&#8217;Zur Frage der Monopolregulierung&#8220;&#8216;<br>\nWas f\u00fcr den Bereich der Printmedien, TV und H\u00f6rfunk funktioniert,<br>\nk\u00f6nnte auch f\u00fcr den digitalen Bereich greifen. Die KEK, die &#8222;Kommission<br>\nzur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich&#8220;, erlegt den<br>\nBetreibern von Fernsehsendern mit marktdominanter Reichweite Auflagen.<br>\n\u00c4hnliches Vorgehen k\u00f6nnten auch im Online-Bereich greifen. Es k\u00f6nnte<br>\nauch auf europ\u00e4ischer Ebene etabliert werden. Die Netzgemeinde sollte    <br>\neine offene Diskussion dar\u00fcber f\u00fchren, ob sie solche Kontrollstrukturen<br>\nf\u00fcr angemessen h\u00e4lt. Und wie diese Struktur seitens Politik und<br>\nZivilgesellschaft besetzt werden m\u00fc\u00dfte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus gibt es schon heute zahlreiche Beispiele f\u00fcr die<br>\nerfolgreiche Regulierung zur Abschaffung faktischer Monopole.     <br>\nVorstellbar w\u00e4re etwa eine Clearingstelle zur Pr\u00fcfung potentiellen   <br>\nMachtmissbrauchs, die vor einem aufw\u00e4ndigen Gang zum Kartellamt greifen<br>\nkann; beispielsweise k\u00f6nnte stichprobenartig gepr\u00fcft werden, inwieweit<br>\nRankings marktdominanter Suchmaschinen plausibel oder willk\u00fcrlich sind;<br>\nauch quasimonopolistische Strukturen wie der Apple App-Store mit seinen<br>\nZensurbestrebungen w\u00e4ren potentielle Kandidaten f\u00fcr entsprechende<br>\nAktivit\u00e4ten.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00f6glich w\u00e4re aber auch der Zwang zur Offenlegung der Gesch\u00e4ftsberichte<br>\nund von Geldfl\u00fcssen, ein OpenData f\u00fcr Monopolies.<br>\nEingriffsm\u00f6glichkeiten b\u00f6te auch die Steuergestaltung bei globalen    <br>\nOnline-Oligopolen. Die franz\u00f6sische Sarkozy-Kommission hat         <br>\nentsprechende Vorschl\u00e4ge auf den Tisch gebracht, auch alternative<br>\nFormen, wie progressive, an Marktanteile gebundene Steuers\u00e4tze oder<br>\n-instrumente w\u00e4ren m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei diesen und allen weiteren Vorschl\u00e4gen muss eines klar sein: es sind<br>\nnicht die endg\u00fcltigen Regeln f\u00fcr ein freieres Internet &#8211; sondern es       <br>\nsind Diskussionspunkte, die alle im Einzelnen sorgf\u00e4ltig mit allen    <br>\nBeteiligten diskutiert werden m\u00fcssen. Wichtig ist: der Einstieg in<br>\ndiese Diskussion muss endlich erfolgen!<\/p>\n\n\n\n<p>Neben dem Einsatz grunds\u00e4tzlich wirksamer Instrumente sind auch     <br>\nsuchmaschinenspezifische Regulierungen vorstellbar:                 <\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Ein Verbot, marktdominante Suchmaschinen in Portale und Browser   voreingestellt einzubauen (so wie es Google vor vielen Jahren gegen   Microsoft durchgesetzt hatte &#8211; und heute selber voreingestellte Suchmaschine ist).<\/li><li>Die Auflage, dass marktdominante Suchmaschinen nur 60-70% der Anfragen selbst verarbeiten d\u00fcrfen, weitere an die Konkurrenz weiterleiten m\u00fcssen (ein sehr weitgehender Vorschlag aus SPIEGEL-Online).  <\/li><li>Das Verbot, marktdominierende Suchmaschinen in die Adresszeile von Browsern zu integrieren.<\/li><li>Das Verbot, Werbepl\u00e4tzen oberhalb der organischen Suchergebnisse f\u00fcr  eigene Werbung zu benutzen.<\/li><li>Oder das Gebot, den Index marktdominanter Suchmaschinen \u00fcber eine   Public API auch f\u00fcr kommerzielle Konkurrenz begrenzt zu \u00f6ffnen.    <br>\nAuf europ\u00e4ischer Ebene hat vor einigen Jahren der Fall Microsoft      <br>\ngezeigt, dass die Europ\u00e4ische Kommission zwar Zeit ben\u00f6tigt, um zu     <br>\nreagieren, diese Reaktionen aber dennoch zu erheblichen Konsequenzen   <br>\nf\u00fchren. Der Internet-Explorer, vormals in einer \u00e4hnlichen            <br>\nVormachtstellung wie Google als Suchmaschine, teilt sich seinen Markt<br>\ninzwischen mit durchaus potenten Wettbewerbern Mozilla Firefox und<br>\nGoogle Chrome, aber auch weiteren Browsern. Mittlerweile ist die      <br>\nSituation aber eher umgekehrt: Google ist meist die voreingestellte<br>\nSuchmaschine ohne vorherige Auswahl durch den Nutzer.                 <\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><strong>Zur grunds\u00e4tzlichen Perspektive des Internets<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Das Internet steht vor einer Weichenstellung. Bleibt die urspr\u00fcngliche<br>\nIdee eines dezentral aufgebauten, nicht zentral steuerbaren und deshalb<br>\nauch nicht zentral beherrschbaren Netzes bestehen, oder dominieren        <br>\nk\u00fcnftig monopolunternehmens- oder staatlich dominierte Konzeptionen das<br>\nNetz? Welche gesellschaftspolitischen und technischen Konzeptionen<br>\npr\u00e4gen das Internet von morgen?        <\/p>\n\n\n\n<p>Wir pl\u00e4dieren f\u00fcr eine gesellschaftliche Perspektive von            <br>\nSelbstorganisation, Offenheit und Mitbestimmung. Demokratisch       <br>\nlegitimierte Entscheidungsgremien k\u00f6nnen eine wirkungsvolle Gegenmacht<br>\nzu naturw\u00fcchsig entstandenen Quasimonopolen oder\/und supranationalen<br>\npolitischen Machtstrukturen, beispielsweise unter Verantwortung der  <br>\nUNO, sein. Die zahlreichen autorit\u00e4ren Staaten, die in der Uno von<br>\nerheblichem Einflu\u00df sind, zeigen, dass Staat auf globaler Ebene keine<br>\ndemokratische Perspektive gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Multiethnizit\u00e4t w\u00e4re hier ein wichtiges Stichwort, um die Dominanz der<br>\nUSA in allen IT und Technologiefragen zu relativieren.              <\/p>\n\n\n\n<p>Zu diskutieren ist dabei auch, inwieweit ein Recht auf informationelle<br>\nSelbstbestimmung und informationellen Zugang eine M\u00f6glichkeit w\u00e4re,<br>\nGrundrechte von Individuen zu gew\u00e4hrleisten.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese strukturellen Fragen sollten auch technisch umgesetzt werden. Da<br>\ndie aktuelle Debatte um das Internet oftmals von der Frage der     <br>\nKostenlos-Kultur dominiert wird, pl\u00e4dieren wir f\u00fcr eine technische   <br>\nForm, die Offenheit, Dezentralit\u00e4t und St\u00f6rungsrobustheit<br>\ngew\u00e4hrleistet. Dabei geht es l\u00e4ngst nicht mehr um die Frage, ob       <br>\nentweder Information und Kommunikation oder Kommerz das Internet       <br>\npr\u00e4gen, vielmehr geht es darum, zivilgesellschaftliche Formen der      <br>\nNutzung, Information und Diskussion gleichzeitig mit kommerziellen   <br>\nAngeboten zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wird auf die Mischung ankommen. Ein Netz, um das gleichberechtigte <br>\nOrganisationen um die besten L\u00f6sungen im Wettbewerb stehen, verspricht<br>\neine anhaltende Dynamik. Um diese marktwirtschaftliche Dynamik zu     <br>\nerhalten und den Einfluss weniger &#8222;Gro\u00dfer&#8220; zu beschr\u00e4nken, sind<br>\nVerst\u00e4ndigungen zwischen Zivilgesellschaft, Staaten und<br>\nWirtschaftsunternehmen &#8211; gro\u00dfen wie kleinen &#8211; notwendig.  H\u00f6chst<br>\n\u00fcberf\u00e4llig, die Debatte darum endlich zu beginnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Text ist ein Excerpt eines Vortrages zur Domainpulse-Konferenz  <br> am 13.2.2012 in Hamburg und am 22.3.12 an der FU-Berlin;<br> Vortragsfolien und weiterf\u00fchrende Links finden   <br> Sie unter <a href=\"http:\/\/metager.de\/monopoly\">http:\/\/metager.de\/monopoly<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Kontakt:<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wolfgang Sander-Beuermann<\/h2>\n\n\n\n<p>Dr. Wolfgang Sander-Beuermann   Tel.: 01520-2883048      wsb@suma-ev.de<br> Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer SuMa-eV [www.suma-ev.de]<br> Leiter Suchmaschinenlabor  Leibniz Universit\u00e4t Hannover [www.metager.de]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Internet-Monopoly&#8220; und was dagegen zu tun ist Pressemitteilung, 16.2.2012 Wieso Internet-Monopoly? 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