{"id":3673,"date":"2021-04-07T10:16:38","date_gmt":"2021-04-07T10:16:38","guid":{"rendered":"https:\/\/suma-ev.de\/?p=3673"},"modified":"2021-04-07T11:10:02","modified_gmt":"2021-04-07T11:10:02","slug":"europaeischer-suchindex-nachhaltig-zur-google-alternative","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/suma-ev.de\/en\/europaeischer-suchindex-nachhaltig-zur-google-alternative\/","title":{"rendered":"Europ\u00e4ischer Suchindex \u2013 nachhaltig zur Google-Alternative"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin Nick, studiere Soziologie und bin 23 Jahre alt. Mir ist es wichtig, im Internet so auftreten zu k\u00f6nnen, wie ich es in der realen Welt tue.&nbsp;<strong>Ich m\u00f6chte nicht in einer vorbestimmten und berechneten Welt leben.<\/strong>&nbsp;Man kann und soll mich nicht berechnen und analysieren, ich halte mich f\u00fcr m\u00fcndig genug, um zu wissen, was mir gef\u00e4llt. Vor allem aber sollte man mir Informationen und Produkte nicht vorenthalten. Nur weil ich Hip Hop oder Techno h\u00f6re, hei\u00dft das nicht, dass ich nicht in klassische Musik hineinhorchen m\u00f6chte.&nbsp;<strong>Nur weil ich mich f\u00fcr Gaming interessiere, m\u00f6chte ich nicht, dass mir Nachrichten zu Politik und Wirtschaft vorenthalten werden.<\/strong>&nbsp;Wir sollten unsere Sicht auf die Welt nicht von einigen wenigen Unternehmen vorstrukturieren lassen, deren Kriterien zur Strukturierung wir gar nicht kennen, denn so werden wir abh\u00e4ngig und unm\u00fcndig. Ein Teil der L\u00f6sung ist ein freier und offener Suchindex!<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Gefangen in der Filterblase<\/h2>\n\n\n\n<p>Die meisten Menschen \u2013 inklusive mir \u2013 befinden sich t\u00e4glich in einer eigenen digitalen Filterblase. Algorithmen bestimmen, welche Informationen relevant f\u00fcr uns sind. Sie gestalten die Anordnung der Informationen in unseren Timelines, Feeds oder Suchmaschinenergebnissen. Spinnt man den Gedanken weiter, stellen sich mir die Fragen: Auf welcher Informationsgrundlage sollen wir uns denn dann austauschen? Wie sollen Diskurse \u2013 ohne die Demokratie nicht m\u00f6glich ist, \u2013 gef\u00fchrt werden, wenn sich jeder auf Informationen bezieht, die auf ihn oder sie zugeschnitten wurden?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Woher haben Suchmaschinen ihre Antworten?<\/h2>\n\n\n\n<p>Nachdem mir all diese Gedanken durch den Kopf gegangen sind, habe ich angefangen, mein Verhalten im Netz zu \u00fcberdenken. Schlie\u00dflich bieten sich uns schon viele M\u00f6glichkeiten, ein St\u00fcck Autonomie im Internet zur\u00fcckzugewinnen, \u2013 doch es sind noch nicht genug. Nachdem ich meinen Messenger gewechselt habe und wo immer es aktuell m\u00f6glich ist, auf offene anstelle von propriet\u00e4rer Software setze, sollte es der monopolartigen Suchmaschine \u2013 Sie wissen, welche ich meine \u2013 an den Kragen gehen. Leider ist das gar nicht so einfach, wie ich es mir erhofft habe, denn es gibt eigentlich keine Alternativen, \u2013 viele denken jetzt bestimmt \u201eKlar gibt es Alternativen, zum Beispiel Startpage oder Duckduckgo\u201c. Ich kann leider nur ern\u00fcchternd feststellen, dass das gar keine \u201eechten\u201c Alternativen sind. Wieso das so ist, erkl\u00e4re ich im Folgenden. Bis jetzt habe ich nicht gro\u00dfartig dar\u00fcber nachgedacht, woher Suchmaschinen ihre Informationen beziehen, doch genau hier liegt das Problem.<br>Ich habe mich auf die Suche nach einer Alternative zu Google begeben und bin auf einen wirksamen Weg gesto\u00dfen, der den Wettbewerb auf dem Suchmaschinenmarkt wieder beleben kann, sodass Nutzer.innen die Wahl haben, welche Suchmaschine sie nutzen m\u00f6chten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ein wertvoller Datenschatz<\/h2>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher waren Bibliotheken wie die in Alexandria der Wissensspeicher, auf den einige wenige Menschen zugriffen. Heutzutage sch\u00f6pfen die meisten Menschen ihr Wissen aus der Suchmaschine von Google, die auf dem europ\u00e4ischen Suchmaschinenmarkt einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent h\u00e4lt. Doch woher holt Googles Suchmaschine \u00fcberhaupt ihr Wissen? Suchmaschinen greifen in der Regel auf mindestens einen der vier gro\u00dfen weltweiten Suchindizes zu. Ein Suchindex bezeichnet den \u201eDatenschatz\u201c, also den Datenbestand, ohne den eine Suchmaschine wertlos w\u00e4re. Er kann als Abbild des Webs verstanden werden, denn er beinhaltet alle findbaren Webseiten. Neben Google (USA) und Bing (USA) z\u00e4hlen Yandex (Russland) und Baidu (China) zu den gro\u00dfen \u201eSchatzmeistern\u201c, die \u00fcber einen eigenen Suchindex verf\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Web-Crawler indexieren das Web<\/h2>\n\n\n\n<p>Um ihre Datensammlung st\u00e4ndig zu erweitern, nutzen Suchindizes sogenannte Web-Crawler. Das ist Software, mit der Webseiten katalogisiert werden, indem sich die Crawler durch Webseiten \u201ew\u00fchlen\u201c, den darin enthaltenen Links folgen und die gefundenen Inhalte indexieren. Ein Suchindex ist also sehr wertvoll. Ohne ihn ist es nicht m\u00f6glich, eine Suchmaschine aufzubauen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u201eWorld-Crawler\u201c indexieren die reale Welt<\/h2>\n\n\n\n<p>L\u00e4ngst werden Daten f\u00fcr den Index von Suchmaschinen nicht nur durch das Durchpfl\u00fcgen des Internets gesch\u00fcrft:&nbsp;<a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2020\/fitbit-uebernahme-wenn-dir-google-beim-atmen-zuhoert\/\">Suchindizes kaufen Daten ein,<\/a>&nbsp;z.B. Bewegungsdaten von Mobiltelefonen, Gesundheitsdaten, Flugdaten, Reisefahrpl\u00e4ne, Inhalte von Medienangeboten, die hinter Paywalls stecken, aktuelles Kartenmaterial und so weiter. Auch diese Daten m\u00fcssen urbar gemacht werden, damit eine Suchmaschine mit dem gewohntem Komfort funktionieren kann.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Suchmaschinen ben\u00f6tigen Suchindizes<\/h2>\n\n\n\n<p>Man sollte meinen, dass wir uns frei aussuchen k\u00f6nnen, von welcher Suchmaschine wir unsere Informationen beziehen. Tats\u00e4chlich gibt es neben Google noch&nbsp;<a href=\"https:\/\/digitalcourage.de\/digitale-selbstverteidigung\/es-geht-auch-ohne-google-alternative-suchmaschinen\">alternative Suchmaschinen<\/a>&nbsp;wie Startpage, MetaGer, YaCi, Ecosia oder DuckDuckGo. Doch selbst wenn wir auf eine der vermeintlichen Alternativen zugreifen, f\u00fchrt meist kein Weg an den gro\u00dfen Suchindizes von Google, Bing, Yandex oder Baidu vorbei. Die Suchmaschinen bauen n\u00e4mlich in der Regel auf mindestens einem der zuvorgenannten vier gro\u00dfen Suchindizes auf. Startpage zum Beispiel darf den Index von Google mitbenutzen, Ecosia basiert auf dem Index von Bing, und auch DuckDuckGo greift unter anderem auf Yandex und Bing zu. Grund daf\u00fcr ist, dass es f\u00fcr ein kleines Unternehmen beinahe unm\u00f6glich ist, einen eigenen Index aufzubauen, denn der Aufbau ist extrem kostspielig und erfordert ein hohes Ma\u00df an technischem Know-how. Die bestehenden Suchindizes haben also einen Vorsprung, der f\u00fcr einzelne kleine Start-ups nicht einzuholen ist. Das ist nicht fair und hemmt Innovation und Vielfalt in der \u201eSuchmaschinenwelt\u201c.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Suchmaschinen sind Machtinstrumente<\/h2>\n\n\n\n<p>Google beherrscht den Suchmaschinenmarkt in Europa und verursacht Abh\u00e4ngigkeiten sowie wirtschaftliche Sch\u00e4den. Das Unternehmen hat unter anderem seine marktbeherrschende Stellung missbraucht, indem es f\u00fcr Websites Dritter wettbewerbswidrige vertragliche Beschr\u00e4nkungen einf\u00fchrte. Die Europ\u00e4ische Kommission hat daraufhin im M\u00e4rz 2019 die dritte&nbsp;<a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/germany\/news\/20190320-milliardenstrafe-google_de\">Milliardenstrafe gegen Google<\/a>&nbsp;verh\u00e4ngt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Alle wollen oben sein<\/h2>\n\n\n\n<p>Google versucht anhand der Daten, die es \u00fcber uns gesammelt hat, eine unentbehrliche Position in unserem Leben einzunehmen. Die meisten Menschen schauen sich nur die erste Seite der Suchergebnisse an. Dementsprechend sind die Platzierungen auf der ersten Seite der Suchmaschine hei\u00df begehrt. Google hat eine Geldmaschine erschaffen, bei der haupts\u00e4chlich Werbetreibende um die Erstplatzierungen in der Suchmaschine konkurrieren. Au\u00dferdem haben Politiker.innen, Unternehmer.innen und andere Personen des \u00f6ffentlichen Lebens Angst, dass ihre wei\u00dfe Weste durch Negativschlagzeilen auf den ersten Suchergebnispl\u00e4tzen befleckt wird. Das verdeutlicht, dass allein die Art und Weise, wie Google Suchergebnisse anordnet, ein Machtinstrument von immensem Wert darstellt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Suchschlitz beobachtet uns<\/h2>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite stehen die Nutzer.innen. Google hat es sich zum Ziel gemacht, die Anzeige der Suchergebnisse zu individualisieren und zu perfektionieren. Das \u201ePerfektionieren\u201c spielt sich jedoch hinter unseren R\u00fccken ab. Am liebsten w\u00fcrde Google uns an erster Stelle die Antwort pr\u00e4sentieren, die f\u00fcr uns pers\u00f6nlich perfekt erscheint. Das gelingt dem Unternehmen mittlerweile schon recht gut, da es alle Daten, die es sammelt, zusammenf\u00fchrt und&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/gesellschaft\/digitales\/politik-des-suchens\/75895\/der-zweite-index?p=1\">Profile<\/a>&nbsp;\u00fcber uns erstellt. Das ist eine gro\u00dfe Gefahr, denn Suchmaschinen sind ein Teil der digitalen Infrastruktur.&nbsp;<strong>Google h\u00e4lt eine Monopolstellung und versucht diese durch die st\u00e4ndige Erweiterung seiner Datensammlung zu zementieren. Es wirbt sogar damit, \u201edie Informationen der Welt zu organisieren und allgemein nutzbar und zug\u00e4nglich zu machen.\u201c Das ist ein bedenklicher Machtanspruch, denn um alle Informationen der Welt nutzbar zu machen, muss sich das Unternehmen erst mal alle Informationen der Welt aneignen.<\/strong>&nbsp;Aus gutem Grund wurde Google 2013 mit dem&nbsp;<a href=\"https:\/\/bigbrotherawards.de\/2013\/globales-datensammeln-google\">Big Brother Award<\/a>&nbsp;ausgezeichnet. So glaubt zum Beispiel Eric Schmidt, der bis 2015 Executive Chairman bei Google war, \u201edass die meisten Menschen nicht wollen, dass Google ihre Fragen beantwortet. Sie wollen, dass Google ihnen sagt, was sie als n\u00e4chstes tun sollen.\u201c Larry Page, der die Google-Suchmaschine mit Sergey Brin entwickelt hat, behauptet sogar: \u201eDie Suche wird ins Gehirn integriert werden. Schlie\u00dflich werden Sie ein Implantat haben und wenn Sie \u00fcber etwas nachdenken, wird es ihnen die Antwort sagen.\u201c Das geht zu weit! Denn es geht nicht mehr um pers\u00f6nliche Spielr\u00e4ume, die verhandelbar sind. Es geht um unverhandelbare Grundrechte. Es geht um Gemeinwohl und Demokratie. Unsere digitale Infrastruktur sollte nicht von marktbeherrschenden Privatunternehmen (noch dazu welchen, au\u00dferhalb der EU) abh\u00e4ngig sein. Sie machen sich so unverzichtbar und k\u00f6nnen \u00fcber unsere K\u00f6pfe hinweg bestimmen, wie mit Informationen umgegangen werden soll. In gewisser Weise sind wir im Gesch\u00e4ftsmodell von Google der \u201eGoldesel\u201c und unsere Daten sind das Gold. Die Studie&nbsp;<a href=\"https:\/\/crackedlabs.org\/studie-kommerzielle-ueberwachung\">\u201eDurchleuchtet, analysiert und einsortiert\u201c<\/a>&nbsp;von Sarah Spiekermann und Wolfie Christl verdeutlicht dies sehr eindringlich.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Filter und Zensur<\/h2>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die Gefahr bei Google und Bing etwas subtiler erscheinen mag, machen Yandex in Russland und Baidu in China deutlich, was f\u00fcr unheimliche Gefahren noch von Suchmaschinen ausgehen. Entsprechend politischer Vorstellungen und W\u00fcnsche k\u00f6nnen Inhalte gefiltert, zensiert und somit unzug\u00e4nglich f\u00fcr die B\u00fcrger.innen gemacht werden. In China beispielsweise ist das&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/tiananmen-massaker-in-china-erinnern-ist-tabu-auch-nach-30.979.de.html?dram:article_id=449961\">Tianmen-Massaker<\/a>, bei dem Studentenproteste gewaltsam niedergeschlagen wurden, nicht in der Suchmaschine Baidu aufzufinden. Aufgrund mangelnder Transparenz in Bezug auf ihre Algorithmen sind Suchmaschinen besonders anf\u00e4llig f\u00fcr politische und wirtschaftliche Manipulation. Sie k\u00f6nnen als Instrument der \u201eMeinungsmache\u201c missbraucht werden, das ist nat\u00fcrlich eine enorme Gefahr f\u00fcr Demokratie und Meinungsfreiheit.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ranking-Algorithmen sind manipulierbar<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Art und Weise, wie Ranking-Algorithmen funktionieren (wie sie die Anordnung der Suchergebnisse \u201ebestimmen\u201c), wird von den Suchmaschinenanbietern geheimgehalten. Zum Einen ist das ein nachvollziehbarer Schritt, denn wenn die Algorithmen transparent und einfach zu verstehen w\u00e4ren, h\u00e4tte quasi jeder die M\u00f6glichkeit, die Ergebnispr\u00e4sentation von Suchmaschinen zu manipulieren. Andererseits ist es aufgrund der intransparenten Algorithmen schwer zu begreifen, ob Suchergebnisse frei von Manipulation sind. Das bedeutet im Prinzip, dass transparente Algorithmen Manipulation von \u201eau\u00dferhalb\u201c erleichtern, w\u00e4hrend intransparente Algorithmen Manipulation von \u201einnerhalb\u201c, also zum Beispiel vom Suchmaschinenanbieter selbst, und von SEO-Spammern (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Suchmaschinen-Spamming\">Wikipedia<\/a>) erm\u00f6glichen. Mit SEO-Spamming wird versucht, die Bewertungs-Algorithmen \u2013 \u00fcber Eintr\u00e4ge in eigenen oder fremden Webseiten \u2013 zu beeinflussen. Um Chancengleichheit bei der Ergebnispr\u00e4sentation von Suchmaschinen zu gew\u00e4hrleisten und Manipulation zu vermeiden, k\u00f6nnte eine neutrale Institution \u2013 zum Beispiel eine europ\u00e4ische Stiftung \u2013 \u00fcberpr\u00fcfen, auf welche Art und Weise Ergebnisse angeordnet werden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Abh\u00e4ngig von fremden Suchindizes<\/h2>\n\n\n\n<p>Wenn wir in Europa an Informationen gelangen wollen, sind wir weitestgehend abh\u00e4ngig von den bestehenden Suchmaschinen und damit auch von den Suchindizes aus den USA, Russland und China. Das ist ein Problem! In extremen Krisen- oder Konfliktf\u00e4llen k\u00f6nnte es sogar so weit kommen, dass wir den Zugang zu den bestehenden Suchindizes \u2013 und damit zu wichtigen Informationen und Daten \u2013 verlieren. Denn aktuell werden die im Internet verf\u00fcgbaren Informationen von den USA, Russland und China \u201everwaltet\u201c, da sie \u00fcber einen oder mehrere Suchindizes verf\u00fcgen. Europa hingegen verf\u00fcgt \u00fcber keinen eigenen Suchindex.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Europ\u00e4ische Regeln respektieren<\/h2>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Europ\u00e4ische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) gilt das Marktortprinzip. Das bedeutet, dass sich alle Unternehmen, die sich an EU-B\u00fcrger.innen richten und in Europa Gesch\u00e4fte machen wollen, an die DSGVO halten m\u00fcssen. Viele ausl\u00e4ndische Unternehmen unterliegen jedoch eigenen Gesetzen. Das stellt ein Problem dar, denn in den USA beispielsweise k\u00f6nnen Unternehmen auf Grundlage des Cloud Act (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/CLOUD_Act\">Wikipedia<\/a>) und des FISA Act (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Foreign_Intelligence_Surveillance_Act\">Wikipedia<\/a>) gezwungen werden, Daten an Geheimdienste herauszugeben. So k\u00f6nnen auch Daten europ\u00e4ischer B\u00fcrger.innen in die H\u00e4nde ausl\u00e4ndischer Geheimdienste fallen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Starke Argumente f\u00fcr einen europ\u00e4ischen Suchindex<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein europ\u00e4ischer Suchindex w\u00fcrde die Bedingungen f\u00fcr frei zug\u00e4ngliches Wissen schaffen, auf das Unternehmen und Privatleute gleicherma\u00dfen zugreifen d\u00fcrfen. Frei zug\u00e4ngliches Wissen bildet die Basis f\u00fcr Wettbewerb und Innovation, aber auch f\u00fcr die individuelle Meinungsfreiheit. Die Vorteile eines Suchindex f\u00fcr Europa sind vielseitig. Zum Beispiel werden indirekt Investitionen f\u00fcr neue Produkte, die auf dem Index aufbauen, gef\u00f6rdert. Au\u00dferdem w\u00fcrde der Wettbewerb zwischen Suchmaschinenanbietern, die auf den Index zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen, belebt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Gr\u00fcnde f\u00fcr einen offenen europ\u00e4ischen Suchindex sind vielseitig:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Europa w\u00e4re nicht mehr darauf angewiesen, auf Indizes aus USA, Russland und China zuzugreifen \u2013 somit wird die Souver\u00e4nit\u00e4t gest\u00e4rkt.<\/li><li>Europ\u00e4ische Gesetze und Werte bilden den Rahmen f\u00fcr den Suchindex und somit auch f\u00fcr Suchmaschinen und andere Produkte, die auf ihm aufbauen. Eine Vielfalt an Suchmaschinen ist f\u00f6rderlich f\u00fcr die Demokratie weltweit.<\/li><li>Es gibt die M\u00f6glichkeit f\u00fcr neue Gesch\u00e4ftsmodelle von Suchmaschinen, die nicht \u201epseudo-gratis im Tausch gegen Nutzerdaten\u201c sind. Nutzer.innen k\u00f6nnten zum Beispiel Suchmaschinen ihrer Wahl \u2013 per Abo, als Genossenschaft oder durch Spenden \u2013 finanzieren.<\/li><li>Die EU kann sicherstellen, dass der Index zu fairen Konditionen nutzbar ist und dass ein gesunder Wettbewerb stattfindet.<\/li><li>Wir verlassen uns momentan auf einzelne Suchmaschinen, die uns keinen Einblick in den Aufbau ihrer Suchalgorithmen und Datensammlungen erlauben. Dadurch wird Manipulation und Missbrauch erm\u00f6glicht.<\/li><li>Der Zugang zu Daten, Informationen und Wissen kann momentan gem\u00e4\u00df wirtschaftlichen oder politischen Interessen des jeweiligen Anbieters eingeschr\u00e4nkt werden.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Aufbau eines freien Suchindex beginnen<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Idee eines europ\u00e4ischen Suchindex hat der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltver\u00e4nderungen in einem&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wbgu.de\/fileadmin\/user_upload\/wbgu\/publikationen\/politikpapiere\/pp11_2019\/pdf\/wbgu_pp11_2019.pdf\">EU-Politikpapier<\/a>&nbsp;(S. 19, S. 22, S. 35) und in einem&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wbgu.de\/de\/publikationen\/publikation\/unsere-gemeinsame-digitale-zukunft\">Gutachten<\/a>&nbsp;(S. 234), die sich an die Bundesregierung richten, erw\u00e4hnt und f\u00fcr den Aufbau eines \u00f6ffentlich-rechtlichen Suchindex pl\u00e4diert. In das Papier und das Gutachten sind auch Anregungen und Hinweise von Digitalcourage eingeflossen, die sich schon l\u00e4nger mit einem&nbsp;<a href=\"https:\/\/digitalcourage.de\/blog\/2019\/europaeischer-suchindex-gegen-monopole\">europ\u00e4ischen Suchindex gegen Monopole<\/a>&nbsp;befassen. Diese konkreten Forderungen sollten die Bundesregierung und die EU jetzt anpacken.<\/p>\n\n\n\n<p>Technische Expertise und gro\u00dfe finanzielle Investitionen stellen Pr\u00e4missen f\u00fcr den Aufbau eines europ\u00e4ischen Suchindex dar.&nbsp;<strong>Der Index sollte m\u00f6glichst alle Inhalte des Web umfassen und allen Zugriff erm\u00f6glichen.<\/strong>&nbsp;Des Weiteren sollte er am besten durch die EU finanziert, jedoch staatsfern und unabh\u00e4ngig organisiert werden, um einseitige politische Einflussnahme zu vermeiden. Dementsprechend sollten auch die AGB gestaltet werden. Der Aufbau eines offenen Suchindex stellt demnach eine Infrastrukturaufgabe dar, die f\u00fcr die Trennung von \u00f6ffentlich finanzierter Infrastruktur und privatwirtschaftlich betriebenen Diensten sorgt. Diese Infrastruktur l\u00e4sst sich vergleichen mit Stromnetzen oder Stra\u00dfen, die grunds\u00e4tzlich zu Privatzwecken, aber auch zu unternehmerischen Zwecken genutzt werden d\u00fcrfen. Die Verantwortung, einen sicheren und fairen Zugang zu schaffen, bleibt jedoch Aufgabe des Staates beziehungsweise der europ\u00e4ischen Staaten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Nicht aufgeben, bevor wir angefangen haben!<\/h2>\n\n\n\n<p>Auch wenn der Aufbau viel Rechenkapazit\u00e4t sowie hoher finanzieller und personeller Investitionen bedarf: Es lohnt sich! Wirtschaft und Wettbewerb, aber auch digitale Souver\u00e4nit\u00e4t und Demokratie k\u00f6nnen durch einen europ\u00e4ischen Suchindex gest\u00e4rkt werden. Au\u00dferdem h\u00e4tten viele innovative Programmierer.innen und kreative Unternehmer.innen die Chance, eine Vielfalt neuer Produkte auf Basis eines europ\u00e4ischen Suchindex aufzubauen. Die auf Grundlage des Index erzielten Gewinne w\u00fcrden dann nicht mehr nur zu einem marktbeherrschenden Anbieter au\u00dferhalb der EU flie\u00dfen, sondern sie k\u00f6nnten vielen kleineren Unternehmen in der Fl\u00e4che zugutekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele von Ihnen denken vielleicht: \u201eEs ist doch eh zu sp\u00e4t, unsere Daten sind \u00fcberall verteilt\u201c oder \u201eGoogle ist bequem zu benutzen und wir kommen gegen so ein Riesenunternehmen nicht an\u201c. Vielleicht haben Sie recht, vielleicht bin ich auch nur naiv oder idealistisch, doch selbst wenn dem so ist, sollten wir nicht tatenlos zusehen, wie uns st\u00fcckchenweise unsere Autonomie genommen wird. Es ist nicht sch\u00f6n zu verlieren, noch schlimmer ist es jedoch gar nicht erst anzutreten und die Niederlage von vornherein zu akzeptieren. Au\u00dferdem ist es gar nicht so aussichtslos, wie es f\u00fcr viele scheinen mag. Die EU-Kommissarin f\u00fcr Wettbewerb hat auf der&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/digital\/eu-vestager-soziale-medien-facebook-google-wettbewerb-1.4362533\">Technologie-Konferenz SXSW<\/a>&nbsp;in Austin viel Zuspruch erhalten, als es darum ging, wie Big Tech Unternehmen \u2013 durch Beh\u00f6rden \u2013 zugunsten von Demokratie, Freiheit und Autonomie geb\u00e4ndigt werden k\u00f6nnen. Das Thema Datenschutz gewinnt also auch in den USA an Relevanz und es werden&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.theatlantic.com\/ideas\/archive\/2021\/02\/government-needs-find-big-tech-new-business-model\/618099\/\">Ma\u00dfnahmen zur Einhegung der Digitalkonzerne<\/a>&nbsp;diskutiert. Die digitale Welt befindet sich in einem st\u00e4ndigen Wandel \u2013 und wir k\u00f6nnen ihn mitgestalten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Darum bitte ich Sie:<\/h2>\n\n\n\n<p>Lassen Sie uns der Politik vermitteln, dass wir uns bei der Suche nach Wissen auf eine f\u00fcr alle zug\u00e4ngliche Infrastruktur verlassen m\u00f6chten. Sie soll nicht von wenigen marktbeherrschenden Unternehmen verwaltet und zugunsten der Profitmaximierung und Machtaus\u00fcbung einiger weniger gestaltet werden. Wir ben\u00f6tigen eine Infrastruktur, die es einer Vielzahl an Produkten, unter anderem (Spezial-)Suchmaschinen, aber auch wissenschaftlichen Tools erm\u00f6glicht, auf ihr aufzubauen. Die darauf aufbauenden Suchmaschinen sollen den Schutz unserer Daten gew\u00e4hrleisten und uns nicht nur auf eine Konsumentenrolle reduzieren, um profitable Modelle \u00fcber unser Kaufverhalten zu entwickeln. Firmen aus Europa, die sich unseren Werten verbunden f\u00fchlen, sich an die in Europa geltenden Regeln und Gesetze halten und denen Datenschutz ein Anliegen ist, sollen Gesch\u00e4ftsmodelle auf dem Index aufbauen und profitabel gestalten d\u00fcrfen. Wir sollten jedenfalls nicht zulassen, dass das Wissen der Menschheit von einigen wenigen oligopolartigen Privatunternehmen verwaltet wird, die Innovation und Autonomie durch intransparente Machenschaften gef\u00e4hrden. Au\u00dferdem sollten wir unsere F\u00e4higkeit, selbstst\u00e4ndig zu denken, nicht von einem Unternehmen untergraben lassen, das f\u00fcr uns entscheiden will, welche Informationen f\u00fcr uns wichtig und welche unwichtig sind.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Umsetzung des Suchindex braucht es den politischen Willen, Auftrag und die finanzielle Unterst\u00fctzung der EU, denn das Projekt kann und darf nicht von einzelnen Unternehmen gestemmt werden. Der WBGU (Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltver\u00e4nderungen) hat sich in seinem gro\u00dfen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wbgu.de\/de\/publikationen\/publikation\/unsere-gemeinsame-digitale-zukunft\">Gutachten zur Digitalisierung<\/a>&nbsp;(S. 234) und in einem&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.wbgu.de\/fileadmin\/user_upload\/wbgu\/publikationen\/politikpapiere\/pp11_2019\/pdf\/wbgu_pp11_2019.pdf\">Politikpapier<\/a>&nbsp;(S. 19, S. 22, S. 35), die sich an die Bundesregierung richten, f\u00fcr den Aufbau eines Europ\u00e4ischen Suchindex ausgesprochen. Der intellektuelle Grundstein ist also bereits gelegt. Erz\u00e4hlt Freunden, Familie und Bekannten von der Idee des europ\u00e4ischen Suchindex, damit das Thema an Aufmerksamkeit gewinnt und die Politik mit der Umsetzung beginnt. Europa muss ein unabh\u00e4ngiges digitales und freies \u00d6kosystem entwickeln, das allen zugutekommt! Darauf muss ich setzen, denn alleine kann ich den Weg weg von der dominierenden Suchmaschine Google nicht gehen.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin Nick, studiere Soziologie und bin 23 Jahre alt. 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