{"id":4824,"date":"2026-02-16T09:21:30","date_gmt":"2026-02-16T08:21:30","guid":{"rendered":"https:\/\/suma-ev.de\/?p=4824"},"modified":"2026-02-27T17:14:50","modified_gmt":"2026-02-27T16:14:50","slug":"di-day-auf-halber-strecke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/suma-ev.de\/en\/di-day-auf-halber-strecke\/","title":{"rendered":"Auf halber Strecke&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich, so w\u00fcrde man denken, m\u00fcsste es medial ein gro\u00dfes Thema sein. Viele Jahre lang wurde das Projekt \u201eOpen Web Index\u201c von der EU gef\u00f6rdert, in dieser Zeit wurde es an den Start gebracht. Das Projekt wurde mit 8,5 Millionen Euro aus dem Horizon-Forschungsprogramm der EU unterst\u00fctzt, um eine unabh\u00e4ngige europ\u00e4ische Suchinfrastruktur zu schaffen. Jetzt aber wurde die weitere F\u00f6rderung gestoppt. Zwar hei\u00dft es, handele sich weniger um ein abruptes Ende der F\u00f6rderung, sondern eher um den \u00dcbergang von der rein f\u00f6rderfinanzierten Entwicklungsphase hin zur Nutzung und zum Aufbau einer nachhaltigen Infrastruktur. Doch die Wahrheit ist, es w\u00e4re auch in dieser Phase wichtig gewesen, eine \u00fcbergangsweise F\u00f6rderung am Laufen zu halten, um die Pflege des nun aufgebauten Indexes zu gew\u00e4hrleisten. Um also \u00fcberhaupt von den Fr\u00fcchten profitieren zu k\u00f6nnen, die es mittlerweile gibt. Manche Projekte brauchen einen langen Atem, aber sie sind es wert. Das ist beim Open Web Index unbedingt der Fall.<\/p>\n\n\n\n<p>Der nun nicht weiter erfolgten EU-F\u00f6rderung m\u00fcsste vor allem auch deshalb ein Aufschrei folgen, weil auf halber Strecke aufgegebene Projekte letztlich Gefahr laufen, f\u00fcr immer einzuschlafen, doch es wird nicht thematisiert. Nirgendwo. Ein Grund k\u00f6nnte sein, dass vielen auch innerhalb der Datenschutz-Bubble nicht klar ist, wie wichtig ein von den gro\u00dfen Playern unabh\u00e4ngiger Index ist. Der Index dient als Basis, um Unabh\u00e4ngigkeit von gro\u00dfen Suchmaschinen zu erlangen, indem man nicht gezwungen ist, sich auf deren Index zu verlassen, sondern in der Lage, eigene Index-Strukturen aufzubauen. Diese eigene Datenstruktur kann dann f\u00fcr eigene Suchmaschinen, KI-Modelle oder aber auch Retrieval-Augmented Generation (KI-Framework) genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Machtstellung der globalen Player<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was kann passieren, wenn man sich von den \u201eGro\u00dfen\u201c Suchmaschinen bez\u00fcglich des Indexes abh\u00e4ngig macht? Zum einen ist da die zentrale Machtballung: Wenige Such-Indexe k\u00f6nnen steuern, welche Informationen sichtbar oder priorisiert werden. Das kann Einfluss auf die Meinungsbildung und den Marktzutritt haben. Auch die Zensur- und Manipulationsrisiken spielen eine Rolle. Gro\u00dfe Plattformen k\u00f6nnten Inhalte priorisieren, filtern oder entfernen, was politische oder rechtliche Interessen beeinflussen k\u00f6nnte. Regulierung oder Druck von Regierungen kann gezielter auf diese gro\u00dfen Player wirken, was zus\u00e4tzliche \u00dcberwachung oder Beschr\u00e4nkungen mit sich bringen k\u00f6nnte. Nicht zuletzt gibt es eine gro\u00dfe Abh\u00e4ngigkeit in Krisen. So k\u00f6nnen technische Probleme, Rechtsstreitigkeiten oder Sanktionen gegen einen gro\u00dfen Anbieter die gesamte Informationszug\u00e4nglichkeit beeintr\u00e4chtigen. Daher ist es von gro\u00dfer Bedeutung, dass es mehrere Player gibt. Und wir vor allem nicht nur auf amerikanische angewiesen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie gerade wir vom SUMA-EV wissen, wurde und wird in der Politik der EU immer wieder versucht, Druck auf die gro\u00dfen Player auszu\u00fcben. Immer wieder wurde von unserer Seite auch angeregt, diesen Druck zu verst\u00e4rken. Google wird immer wieder zu hohen Zahlungen wegen Wettbewerbsverzerrung verpflichtet, was aber keine Abkehr der Firmenpolitik bewirkt. So hat die EU im September 2025 eine erneute Milliardenstrafe gegen Google in H\u00f6he von 2,95 Milliarden Euro wegen missbr\u00e4uchlicher Praktiken im Online-Werbegesch\u00e4ft verh\u00e4ngt sowie eine zus\u00e4tzliche Strafe wegen fr\u00fcherer Kartellverst\u00f6\u00dfe (u.a. Android, Shopping) . Gro\u00dfe nicht-europ\u00e4ische Player bedeuten zudem weniger Druck bez\u00fcglich Datenschutz, weil Standards global in einer oder wenigen Richtlinien konsolidiert werden. Das ist nie gut. Wir brauchen eigene europ\u00e4ische Vorstellungen, die sich auch umsetzen lassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Projekt hat Potential. So k\u00f6nnen irgendwann regionale oder thematische Suchmaschinen, die auf offenen APIs basieren und nicht von Gro\u00dfplattformen abh\u00e4ngig sind, darauf aufbauen. Oder auch Suchmaschinen mit demokratischer Rankings-Transparenz. Es gibt ein B\u00fcndel an innovativen Ideen. Es w\u00e4re daher wichtig gewesen, h\u00e4tte man auf EU-politischer Ebene entschieden, den begonnenen Weg eines unabh\u00e4ngigen europ\u00e4ischen Indexes zu Ende zu gehen. Doch politische Entscheidungen richten sich nicht immer nach der Vernunft. Es scheint, als l\u00e4gen die Priorit\u00e4ten in Zeiten, in denen das Thema KI \u00fcberall pr\u00e4sent ist, auf anderen Gebieten. <\/p>\n\n\n\n<p>Es wird nun nach L\u00f6sungen gesucht. Um hier erfolgreich zu sein, muss dringend medial \u00fcber die Bubble hinaus klar gemacht werden, was eigentlich verloren wird, wenn dieses Projekt mangels F\u00f6rderung vielleicht sogar einschl\u00e4ft.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich, so w\u00fcrde man denken, m\u00fcsste es medial ein gro\u00dfes Thema sein. 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