{"id":553,"date":"2009-01-30T10:00:02","date_gmt":"2009-01-30T09:00:02","guid":{"rendered":"https:\/\/beta.suma-ev.de\/?p=553"},"modified":"2019-06-05T11:03:12","modified_gmt":"2019-06-05T10:03:12","slug":"neue-forschungsfoerderung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/suma-ev.de\/en\/neue-forschungsfoerderung\/","title":{"rendered":"Neue Forschungsf\u00f6rderung"},"content":{"rendered":"<p>In einer vorigen Diskussion hier im SuMa-eV Blog <a href=\"http:\/\/blog.suma-ev.de\/\">(http:\/\/blog.suma-ev.de\/)<\/a> Thema: &#8222;98%&#8220;, http:\/\/blog.suma-ev.de\/node\/89), entstand die Frage, wie eine bessere, neue Forschungsf\u00f6rderung konkret aussehen m\u00fcsste. Im folgenden ein paar Gedanken dazu &#8211; weitere Diskussion ist mehr als willkommen.<\/p>\n<p>Um eine NEUE Forschungsf\u00f6rderung zu beschreiben, ist es hilfreich, zun\u00e4chst die derzeitige zu betrachten. Wie geschieht die F\u00f6rderung von Forschung z.Z. in Deutschland und in der EU?<br \/>\nDerzeit ist es i.a. so, dass in den Forschungsf\u00f6rderungs-Institutionen (Ministerien, EU-Kommission usw.) &#8222;F\u00f6rderprogramme&#8220; ausgeschrieben werden: d.h. die Beamten in diesen Institutionen geben einen &#8222;Call&#8220; (=Aufruf) zu bestimmten Themen heraus. Forschungs-Institutionen k\u00f6nnen sich dann um F\u00f6rdermittel (=Geld) bewerben, um zu diesem Thema zu forschen. So ein Thema kann beispielsweise &#8222;E-Learning&#8220; sein (englisch &#8222;electronic learning&#8220;, elektronisch unterst\u00fctztes Lernen).<\/p>\n<p>Wenn so ein Thema nun als Call ausgeschrieben ist, dann gehen bei der ausschreibenden Institution die Antr\u00e4ge auf F\u00f6rdermittel ein. Dort wird nun &#8211; auch unter Zuhilfenahme von externen Gutachtern &#8211; entschieden, welche Antragsteller bedacht werden. Das sind dann diejenigen, welche die besten Antr\u00e4ge schreiben, am besten Formulare ausf\u00fcllen k\u00f6nnen, und die &#8222;in der jeweiligen Szene am beliebtesten&#8220; sind &#8211; ohne Lobbyarbeit geht kaum etwas.<\/p>\n<p>F\u00fcr EU-Forschungsantr\u00e4ge ist der B\u00fcrokratieaufwand (&#8222;Formularkrieg&#8220; etc.) extrem hoch; gro\u00dfe Firmen haben eigene Abteilungen, die sich &#8211; neben der Lobbyarbeit &#8211; nur damit besch\u00e4ftigen. Kleine Firmen haben hier kaum Chancen. Aber auch f\u00fcr Forschungsantr\u00e4ge in Deutschland, deren B\u00fcrokratieaufwand nicht gar so extrem ist, besch\u00e4ftigen kleine und mittelst\u00e4ndische Firmen oft die sogenannten &#8222;Subventionsberater&#8220;, da die H\u00fcrden der F\u00f6rderb\u00fcrokratie sonst nicht zu \u00fcberwinden sind.<br \/>\nDiejenigen, die nun mit F\u00f6rdermitteln bedacht werden, k\u00f6nnen sich nat\u00fcrlich nicht verpflichten, erfolgreich zu forschen &#8211; so etwas kann man per Vertrag nicht erzwingen. Man kann einem Einstein nicht per Forschungsvertrag vorschreiben, die Relativit\u00e4tstheorie zu entwickeln oder Nobelpreise zu gewinnen.  Aber es besteht in jedem Fall die Verpflichtung der F\u00f6rdermittelempf\u00e4nger, Projektberichte und Ver\u00f6ffentlichungen zu schreiben. Mittels dieser Berichte k\u00f6nnen die Forschungsf\u00f6rderer und die Forschungsgeldempf\u00e4nger nun immer gegen\u00fcber jedem nachweisen, dass sie &#8222;fleissig geforscht haben&#8220; &#8211; auch wenn sonst nichts dabei herausgekommen ist. Bei dieser Art der F\u00f6rderung wird daher vor allem bedrucktes Papier produziert; an verwertbaren Produkten kommt SEHR selten etwas dabei heraus.<\/p>\n<p>Daher muss es in der Forschungsf\u00f6rderung den umgekehrten Weg geben; sie muss &#8222;vom Kopf auf die F\u00fcsse&#8220; gestellt werden. Denn es ist abwegig anzunehmen, dass die zuk\u00fcnftigen Trends in der Entwicklung im wesentlichen von Ministerialbeamten wahrgenommen w\u00fcrden. Diese Trends werden woanders gemacht. Wenn in den Forschungsf\u00f6rderungs-Institutionen Gedanken von neuen Entwicklungen angekommen sind, dann ist die reale Welt bereits ganz woanders.<\/p>\n<p>Die Forschungsf\u00f6rderer m\u00fcssen sich aktiv in der Forschung und in den Firmen umsehen, wo wirklich Bahnbrechendes entsteht.  Das muss nicht immer g\u00e4nzlich Neues sein: auch das Aufholen von R\u00fcckst\u00e4nden, die durch die jahrzentelange verfehlte Forschungspolitik entstanden sind, kann dazu geh\u00f6ren. Vieles Visinon\u00e4re kann nur dann umgesetzt werden, wenn die Basistechnologie vorhanden ist, und da sieht es in Deutschland und Europa gerade in der IT schlecht aus. Bahnbrechende Projekte und Ans\u00e4tze muss diese neue Forschungsf\u00f6rderung dann aufgreifen und mit Geld versehen, so dass sie wachsen, bl\u00fchen und gedeihen kann. Die Forschungsf\u00f6rderer m\u00fcssen in Deutschland und Europa herumreisen (virtuell und real), und die zukunfttr\u00e4chtigen Projekte entdecken. Wenn sie f\u00fcndig werden, dann m\u00fcssen sie DIESE Projekte voranbringen. Dazu geh\u00f6rt auch, den Rest an unvermeidlicher F\u00f6rderb\u00fcrokratie (&#8222;Formularkrieg&#8220; etc) aktiv mit \u00fcberwinden helfen.<\/p>\n<p>Nur dann haben die unendlich vielen kleinen und mittelst\u00e4ndischen Unternehmen und Projekte, die sich weder Subventionsberater noch Abteilungen zum Ausf\u00fcllen von F\u00f6rderformularen leisten k\u00f6nnen, eine Chance. Nur dann, wenn die Forschungsf\u00f6rderer aus den Amtsstuben herauskommen, und selber auch ausserhalb der Elfenbeint\u00fcrme aktiv nach Projekten suchen, dann kann die Forschung auf dem alten Kontinent zu neuer Bl\u00fcte gelangen.<\/p>\n<p>Wolfgang Sander-Beuermann<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einer vorigen Diskussion hier im SuMa-eV Blog (http:\/\/blog.suma-ev.de\/) Thema: &#8222;98%&#8220;, http:\/\/blog.suma-ev.de\/node\/89), entstand die Frage, wie eine bessere, neue Forschungsf\u00f6rderung konkret aussehen m\u00fcsste. 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