{"id":641,"date":"2010-01-12T13:35:33","date_gmt":"2010-01-12T12:35:33","guid":{"rendered":"https:\/\/beta.suma-ev.de\/?p=641"},"modified":"2019-06-05T12:35:27","modified_gmt":"2019-06-05T11:35:27","slug":"suma-ev-newsletter-1-10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/suma-ev.de\/en\/suma-ev-newsletter-1-10\/","title":{"rendered":"SuMa-eV Newsletter 1-10"},"content":{"rendered":"<p>Den einen oder anderen Newsletter werden wir auch hier im Blog ver\u00f6ffentlichen; mit dem ersten des Jahres 2010 mache ich den Anfang. Den Newsletter abonnieren kann man unter <a href=\"http:\/\/suma-ev.de\/newsletterabo.html\">http:\/\/suma-ev.de\/newsletterabo.html<\/a><\/p>\n<p>Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitglieder und Freunde des SuMa-eV,<\/p>\n<p>zum Beginn eines neuen Jahres hat es sich bew\u00e4hrt, \u00fcber den Tellerrand der Tagespolitik hinaus nach vorn und hinten und um sich herum zu schauen. Dazu muss weder Wildbad Kreuth noch das Dreik\u00f6nigstreffen Vorbild sein, aber die Absicht ist dort sicherlich \u00e4hnlich. Die Blickrichtung unseres &#8222;Vereins f\u00fcr freien Wissenszugang&#8220; sollte umfassen, was mit der Wissens- und Informationsgesellschaft zu tun hat. Wie also hat sich diese Gesellschaft entwickelt, wohin tendiert sie?<\/p>\n<p><b>Die IT-Gesellschaft 2009<\/b><\/p>\n<p>\u00dcber die Entwicklung im vergangenen Jahr gibt eine eindrucksvolle Statistik der Firma Comscore [1], ausgewertet von FAZ.NET [2]. Der FAZ-Artikel ist \u00fcberschrieben: &#8222;Internet-Weltrangliste: Google baut seinen Vorsprung aus&#8220; &#8211; die Webseiten von Google sind die weltweit am h\u00e4ufigsten angeklickten, gefolgt von Microsoft, Yahoo, Facebook und Wikimedia. So weit, so nicht gut, aber so ist es. Aber auch das ist nur erst die halbe Wahrheit der Katastrophe, denn es ist in Wirklichkeit noch viel schlimmer: unter den TOP25 Webseiten des Internet gibt es KEINE EINZIGE europ\u00e4ische!<\/p>\n<p><b>Wo ist Europa?<\/b><\/p>\n<p>Was m\u00f6gen die Ursachen f\u00fcr das Versagen Europas in der IT-Gesellschaft sein? Die EU und die deutschen F\u00f6rderinstitutionen pumpen j\u00e4hrlich horrende Summen an Geld in die Entwicklung der IT, die europ\u00e4ische Kommission als Manager hat ca. 50.000 Mitarbeiter &#8211; wieso tr\u00e4gt das<br \/>\nalles nur zur Produktion von meist sinnlosen &#8222;Forschungs-&#8220; und F\u00f6rder- Berichten und -Papieren bei, tr\u00e4gt aber bei denen, f\u00fcr die es gemacht werden soll, bei den Nutzern, keine Fr\u00fcchte?<\/p>\n<p>Bei den Summen, die hier verbrannt werden, kann es am Geld nicht liegen. Also kann es doch nur am System selbst liegen: der B\u00fcrokratie ohne Ende, der Lethargie und der Unf\u00e4higkeit des Apparates und der Apparatschiks und seiner inneren Widerspr\u00fcche. Zu letzterem ein<br \/>\nBeispiel.<\/p>\n<p><b>Schizophrenie<\/b><\/p>\n<p>Sowohl die F\u00f6rderantr\u00e4ge f\u00fcr Forschungsf\u00f6rderung in Deutschland durch das BMBF, als auch die EU-F\u00f6rderung, und sogar der neue, in Deutschland gesetzlich verordnete Datenkrake ELENA verlangen vom Nutzer zwingend die Bearbeitung des Formularkriegs auf einem vorgeschriebenen<br \/>\nBetriebssystem. Gleichzeitig verh\u00e4ngt die EU Strafma\u00dfnahmen von erheblichen Ausma\u00dfen gegen genau dieses Betriebssystem-Monopol und dessen Mi\u00dfbrauch, dessen alleinige Nutzung sie andererseits erzwingt. Wie schizophren muss man sein, um solches unter einem Dach tun zu<br \/>\nk\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Zum B\u00fcrokratismus erspare ich mir Beispiele. Jeder, der je mit der F\u00f6rderkratie zu tun hatte, wei\u00df was gemeint ist. Von Herrn Stoiber aus Bayern, der die EU-B\u00fcrokratie entr\u00fcmpeln sollte, hat man in der Sache nie wieder etwas geh\u00f6rt &#8211; vermutlich ist das Projekt in Tonnen von Aktenstaub erstickt.<\/p>\n<p><b>Was ist zu tun?<\/b><\/p>\n<p>Was schlie\u00dfen wir aus alldem? Deutschland und Europa: unf\u00e4hig f\u00fcr das IT-Zeitalter? Generell ist es derzeit in der Tat so. Darum aber ist es erstens umso wichtiger, die Nischen zu erhalten, in denen es anders ist. Und da sich zweitens gezeigt hat, dass Systeme wie das Internet die immanente Eigenschaft haben, zu Monopolstrukturen zu verselbstst\u00e4ndigen, m\u00fcssen wir und die Politik lernen, wie diese Strukturen zu lenken und auch zu regulieren sind. Letzteres hat derzeit in Deutschland aufgrund der schwarz-gelben neoliberalen Gro\u00dfwetterlage wahrscheinlich wenig Chancen. Daher sind wir gefordert, hierf\u00fcr auch die europ\u00e4ische Ebene zu suchen und arbeiten in diesem Bereich mit der &#8222;Initiative for a Competitive Online Marketplace (ICOMP)&#8220;[3] zusammen.<\/p>\n<p>Eine gewisse Ausnahme der europ\u00e4ischen Nietensammlung in der IT ist Frankreich. Dort existiert mit Exalead [4] die einzige Suchtechnologie in Europa, die zu den US-Marktf\u00fchrern konkurrenzf\u00e4hig ist. Und bei den \u00dcberlegungen zu notwendigen regulatorischen Eingriffen zeigt sich Frankreich mit der Diskussion der sogenannten &#8222;Google-Steuer&#8220; [5] ebenfalls einfallsreich. Wie praktikabel oder auch nicht so eine Steuer sein mag &#8211; das wichtigste in der gegenw\u00e4rtigen Situation, in der die IT die Gesellschaft ver\u00e4ndert wie nie zuvor, ist es, neue Wege zu suchen. Dazu m\u00fcssen auch Experimente gewagt werden.<\/p>\n<p><b>Neues aus Deutschland?<\/b><\/p>\n<p>Eine eher \u00fcberraschende \u00c4u\u00dferung zum Monopolproblem gibt es seit kurzem aus dem deutschen Justizministerium: Ministerin Leutheusser-Schnarrenberger, reputiert unbequeme Standpunkte des B\u00fcrgerrechts konsequent durchzuhalten, nimmt im SPIEGEL-Interview [6] kritisch Stellung zur Google-Dominanz, m\u00f6glichem Datenmissbrauch und Privacy-Verletzungen von verschiedensten Seiten, inklusive ELENA. Es bleibt abzuwarten, ob sie in ihrer Partei, die ansonsten mit Steuer(ver)senkungen gut besch\u00e4ftigt ist, genug R\u00fcckhalt findet, um hier tats\u00e4chlich etwas zu bewirken.<\/p>\n<p>Eines hat sie jetzt allerdings bereits bewirkt, und das ist nicht minder interessant: Frau Leutheusser-Schnarrenberger hat sich den Zorn aller &#8222;Google-Gl\u00e4ubigen&#8220; zugezogen und eine heftige Diskussion angesto\u00dfen. Schaut man bei dem zur Meldung im Heise-Newsticker [7] geh\u00f6rdenden Forum [8] auf das Echo der &#8222;Netzgemeinde&#8220;, so sieht man eine gewaltige Resonanz und kontroverseste Meinungen. Genau diese Diskussionen sind aber notwendig. W\u00e4hrend in fr\u00fcheren Jahren die &#8222;Google-Gl\u00e4ubigen&#8220; solche Foren noch eindeutig dominierten, und alles &#8222;niederschrien&#8220;, was Zweifel \u00e4u\u00dferte, wird das Bild differenzierter. Es \u00fcberwiegen zwar immer noch die &#8222;G-Gl\u00e4ubigen&#8220;, aber die Zahl derjenigen, die Alternativen suchen, ist gr\u00f6\u00dfer geworden &#8211; was Anla\u00df zu ersten Keimen der Hoffnung eines Umdenkens von unten geben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><b>Neue Wege<\/b><\/p>\n<p>Zum Schluss noch: DER Aufsteiger des Jahres 2009 in der IT ist Twitter [9] mit einer Steigerungsrate von mehr als 1000% (in Worten: eintausend Prozent). Sie finden mich dort unter <a href=\"http:\/\/twitter.com\/wosabeu\">http:\/\/twitter.com\/wosabeu<\/a>.<\/p>\n<p>Fazit: auch wenn die Gro\u00dfwetterlage und deren weitere Aussichten, auch ohne Ber\u00fccksichtigung der diesj\u00e4hrigen winterlichen Eskapaden des realen Lebens ;-), derzeit durchaus ung\u00fcnstig sind: es ist eine Frage, &#8222;passend angezogen zu sein, um rauszugehen&#8220; &#8211; auf gehts, um neue Wege<br \/>\nzu finden!<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<p>[1] <a href=\"http:\/\/comscore.com\/\">http:\/\/comscore.com\/<\/a><br \/>\n[2] <a href=\"http:\/\/faz-community.faz.net\/blogs\/netzkonom\/archive\/2010\/01\/04\/weltmeister.aspx\">http:\/\/faz-community.faz.net\/blogs\/netzkonom\/archive\/2010\/01\/04\/weltmeister.aspx<\/a><br \/>\n[3] <a href=\"http:\/\/i-comp.org\/\">http:\/\/i-comp.org\/<\/a><br \/>\n[4] <a href=\"http:\/\/exalead.com\">http:\/\/exalead.com<\/a><br \/>\n[5] <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article5771622\/Sarkozy-plaediert-fuer-eine-Google-Steuer.html\">http:\/\/www.welt.de\/wirtschaft\/article5771622\/Sarkozy-plaediert-fuer-eine-Google-Steuer.html<\/a><br \/>\n[6] DER SPIEGEL, Nr. 2\/11.1.10, S. 32<br \/>\n[7] <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Leutheusser-Schnarrenberger-droht-Google 900142.html\">http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Leutheusser-Schnarrenberger-droht-Google 900142.html<\/a><br \/>\n[8] <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/foren\/S-Leutheusser-Schnarrenberger-droht-Google\/forum-172253\/list&quot;&quot;\">http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/foren\/S-Leutheusser-Schnarrenberger-droht-Google\/forum-172253\/list<\/a><br \/>\n[9] <a href=\"http:\/\/twitter.com\">http:\/\/twitter.com<\/a><\/p>\n<p>Wolfgang Sander-Beuermann<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den einen oder anderen Newsletter werden wir auch hier im Blog ver\u00f6ffentlichen; mit dem ersten des Jahres 2010 mache ich den Anfang. 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