{"id":784,"date":"2013-04-12T10:45:38","date_gmt":"2013-04-12T09:45:38","guid":{"rendered":"https:\/\/beta.suma-ev.de\/?p=784"},"modified":"2019-10-30T11:08:56","modified_gmt":"2019-10-30T10:08:56","slug":"wie-ganz-von-selbst-die-welt-immer-ungerechter-wird-und-was-wir-dagegen-tun-koennen-und-muessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/suma-ev.de\/en\/wie-ganz-von-selbst-die-welt-immer-ungerechter-wird-und-was-wir-dagegen-tun-koennen-und-muessen\/","title":{"rendered":"Wie ganz von selbst die Welt immer ungerechter wird und was wir dagegen tun k\u00f6nnen \u2013 und m\u00fcssen"},"content":{"rendered":"<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie ganz von selbst die Welt immer ungerechter wird und was wir dagegen tun k\u00f6nnen \u2013 und m\u00fcssen<\/h2>\n\n\n<p><b>Warum wir die prozentuale Lohnerh\u00f6hung abschaffen und die Erbschaftssteuer f\u00fcr gro\u00dfe Verm\u00f6gen drastisch erh\u00f6hen m\u00fcssen<\/b><\/p>\n<p>Ungerechtigkeit hat viele Gesichter. Wir betrachten hier nur eines dieser Gesichter: Die Ungerechtigkeit in der Einkommens- und Verm\u00f6gensverteilung. Dieser Aspekt hat jedoch weitreichende Auswirkungen auf nahezu alles andere in unserer Gesellschaft. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht jedem und immer sichtbar ist: Die Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber viel Geld und andere Verm\u00f6gen ist gleichbedeutend mit Macht. Wer Verm\u00f6gen hat, hat die MACHT. Nahezu alle Probleme unserer Gesellschaft lassen sich darauf zur\u00fcckf\u00fchren.<\/p>\n<p>Warum ist es ungerecht, wenn sehr wenige sehr viel und sehr viele sehr wenig Verm\u00f6gen haben? Die Verm\u00f6genden haben es sich doch sicherlich durch schwere Arbeit sauer verdient, und die anderen waren halt zu dumm, um soviel zu verdienen \u2013 so denken viele, wahrscheinlich die meisten. Warum das nicht so ist, warum es einfach eine logische Folge unseres Systems ist, das kann jeder, der ein bischen rechnen kann, nachvollziehen und im folgenden Absatz nachlesen.<\/p>\n<p>Dazu nehmen wir an, dass zwei Menschen, Meier und Schulze, als Kinder im Alter von 10 Jahren genau 20.000,- Euro vererbt bekommen haben. Beide legen es an, um es wiederum ihren Kindern weiter zu vererben. Meier hat dabei ein kleines bischen mehr Gl\u00fcck als Schulze: Er kann sein Verm\u00f6gen zu einem Zinssatz anlegen, der geringf\u00fcgig h\u00f6her ist, als der von Schulze. Sagen wir, Schulz bekommt 5% Zinsen, Meier 6% &#8211; ein winziger Unterschied. Beide sterben im Alter von 86 Jahren. Was sch\u00e4tzen Sie, wie viel nun jeder seinen Kindern vererbt?<\/p>\n<p><b>Der Fehler im System: Die \u201eautomatische\u201c Ungleichverteilung<\/b><\/p>\n<p>Das Ergebnis ist: Meier hat im Laufe seines Lebens aus den 20.000 Euro durch Zins und Zinseszins 1.676 Mio Euro angesammelt, Schulze 815.486 Euro, und das nur aufgrund dieses winzigen Unterschiedes im Zinssatz. Meier hat also mittlerweile das doppelte Verm\u00f6gen, wie Schulze.<\/p>\n<p>Diese Ungleichverteilung ergibt sich allein aus unserem Zinssystem, ohne dass irgendeiner der beiden irgendetwas dazu getan oder geleistet hat. Es ist einfach eine Folge unseres Systems. Man k\u00f6nnte auch sagen, einer Art von Gl\u00fccksspiel: Weil Meier aufgrund irgendeines Zufalls einen geringf\u00fcgig h\u00f6heren Zinssatz ergatterte, wird er doppelt so reich. Das ist ungerecht. Und es ist nicht nur ungerecht, es ist das typische Kennzeichen eines instabilen Systems. Aus winzigen Anfangsunterschieden folgen im Laufe der Zeit gewaltige Unterschiede. Solche instabilen Systeme kollabieren, wenn man nichts dagegen tut. Darum m\u00fcssen wir etwas tun.<\/p>\n<p>Bedeutet das, dass wir Zinsen abschaffen sollten? Das w\u00e4re eine M\u00f6glichkeit. Der Islam praktiziert sie mehr oder weniger \u2013 und war daher von den gro\u00dfen Finanzkrisen kaum betroffen. Aber es gibt auch Alternativen, die nicht gleich unser gesamtes Wirtschaftssystem infrage stellen. In Deutschland hat diese Alternativen diejenige Partei in ihrem Programm (gehabt), die heute oftmals die \u201ePartei der Besserverdiener\u201c genannt wird, die FDP. Das war 1971, als die FDP noch eine andere war und sich f\u00fcr soziale Gerechtigkeit einsetzte.<\/p>\n<p>Nachlesen kann man diese ganz konkreten Vorschl\u00e4ge in den \u201eFreiburger Thesen\u201c aus dem Jahre 1971. Dort wird vorgeschlagen, dass im Erbschaftsfall sehr gro\u00dfe Verm\u00f6gen sehr hoch besteuert werden. Das tut dem Eigent\u00fcmer des Verm\u00f6gens nicht (mehr) \u201eweh\u201c, f\u00fchrt aber die krassen Ungleichheiten, die sich in einer Generation entwickeln, auf tolerierbare Ma\u00dfe zur\u00fcck. Im Gegensatz zu einer Verm\u00f6genssteuer mit all ihren \u201eWenn und Aber\u201c ein \u00e4u\u00dferst sinnvoller und vor allem praktikabler Vorschlag, im Einzelnen im WWW nachzulesen unter: <a href=\"http:\/\/www.freiheit.org\/files\/288\/1971_Freiburger_Thesen.pdf\">http:\/\/www.freiheit.org\/files\/288\/1971_Freiburger_Thesen.pdf<\/a> Die dort genannten detaillierten Zahlen zu einer neuen Erbschaftssteuer m\u00fcssten an heutige Werte angepasst werden, aber darum geht es nicht: wichtig ist das Prinzip der Hochbesteuerung gro\u00dfer Verm\u00f6gen im Erbschaftsfall und die Verwendung der hierdurch gewonnenen Steuer-Mehreinnahmen zu verm\u00f6gensbildenden Ma\u00dfnahmen dort, wo es bisher kein Verm\u00f6gen gibt.<\/p>\n<p>Eines ist bei alledem jedoch sicher: Tut wir nichts gegen diese immer extremer werdende Ungerechtigkeit, dann \u201ecrashed\u201c\/kollabiert  das System. Es ist nur eine Frage der Zeit. Darum M\u00dcSSEN wir etwas gegen die Ungleichverteilung tun und zu gerechteren Formen der Verm\u00f6gensverteilungen kommen.<\/p>\n<p>Nun zu einem zweiten Punkt: Der ebenso ungleichen und ungerechten Verteilung der Einkommen.<\/p>\n<p><b>Die immer gr\u00f6\u00dfer werdenden Unterschiede in der Einkommensverteilung<\/b><\/p>\n<p>Auch hierzu wieder ein Beispiel. Nehmen wir an, Frau Meier hat ein monatliches Einkommen von 1100,- Euro, Herr Schulze bekommt 1000,- Euro. Frau Meier hat also 100,- Euro mehr, als Herr Schulze. Beide bekommen nun j\u00e4hrlich eine m\u00e4\u00dfige Lohnsteigerung von 3%. Was sch\u00e4tzen Sie, wie lange es dauert, bis Frau Meier ihren Einkommensvorsprung verdoppelt hat, also 200,- Euro mehr verdient, als Herr Schulze?<\/p>\n<p>Rechnen Sie nach: Es dauert 25 Jahre. Dann hat sich der Einkommensvorsprung verdoppelt, ohne dass eine der beiden Personen irgend etwas dazu getan oder geleistet hat \u2013 es geschieht ganz von selbst. Auch hier haben wir wieder das typische Kennzeichen instabiler Systeme: bei zun\u00e4chst geringen Unterschieden bewirkt die prozentuale Lohnsteigerung eine stetig wachsende Kluft. Diejenigen, die mehr verdienen, verdienen immer noch mehr Mehr. Darum m\u00fcssen wir die prozentuale Lohnsteigerung abschaffen und durch feste Betr\u00e4ge ersetzen. Um die bestehenden massiven Unterschiede auszugleichen, k\u00f6nnten die Festbetr\u00e4ge im unteren Lohnbereich zun\u00e4chst h\u00f6her sein, als in den hohen Lohngruppen. So k\u00f6nnte die Einkommensschere allm\u00e4hlich etwas geschlossen werden.<\/p>\n<p><b>Was geschieht, wenn nichts geschieht?<\/b><\/p>\n<p>Wenn die Politik keine Ma\u00dfnahmen gegen die Ungleichverteilungen ergreift, dann wird sich unsere Gesellschaft immer st\u00e4rker zu einer Oligarchie entwickeln. Platon definiert sie als \u201egesetzlose Herrschaft der Reichen, die nur an ihrem Eigennutz interessiert ist\u201c. Das kommt uns aus der aktuellen Politik bekannt vor &#8211; wir sind auf dem besten Wege zur Oligarchie. An welcher Stelle eines solchen Weges eine zunehmend verarmende Mehrheit die Ungleichverteilung gewaltsam beendet, ist nicht vorhersagbar.<\/p>\n<p>Wolfgang Sander-Beuermann<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie ganz von selbst die Welt immer ungerechter wird und was wir dagegen tun k\u00f6nnen \u2013 und m\u00fcssen Warum wir die prozentuale Lohnerh\u00f6hung abschaffen&#8230;<\/p>","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[75],"tags":[],"ppma_author":[243],"class_list":["post-784","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-recht"],"authors":[{"term_id":243,"user_id":5,"is_guest":0,"slug":"wsb","display_name":"wsb","avatar_url":"https:\/\/secure.gravatar.com\/avatar\/42f23e742e86e9b424e80f46b7ae4c68463df2519db95ae183455583fa13b6cd?s=96&d=mm&r=g","0":null,"1":"","2":"","3":"","4":"","5":"","6":"","7":"","8":""}],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/suma-ev.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/784","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/suma-ev.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/suma-ev.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/suma-ev.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/suma-ev.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=784"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/suma-ev.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/784\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2984,"href":"https:\/\/suma-ev.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/784\/revisions\/2984"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/suma-ev.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=784"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/suma-ev.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=784"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/suma-ev.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=784"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/suma-ev.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/ppma_author?post=784"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}