{"id":817,"date":"2013-12-18T21:25:17","date_gmt":"2013-12-18T20:25:17","guid":{"rendered":"https:\/\/beta.suma-ev.de\/?p=817"},"modified":"2019-10-30T11:01:18","modified_gmt":"2019-10-30T10:01:18","slug":"schlandnet-internet-infrastrukturen-und-worum-es-wirklich-geht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/suma-ev.de\/en\/schlandnet-internet-infrastrukturen-und-worum-es-wirklich-geht\/","title":{"rendered":"#schlandnet, Internet-Infrastrukturen und worum es wirklich geht"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">schlandnet, Internet-Infrastrukturen und worum es wirklich geht<\/h2>\n\n\n<p>Das folgende Interview ist aus einem Gedankenaustausch mit Thorsten Greb, Redakteur beim Magazin <a href=\"http:\/\/www.digital-lernen.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">DIGITAL LERNEN<\/a>, entstanden.<\/p>\n<p>Update: Fortsetzung des Gedankenaustausches am 21.11.2013<br>\nDas komplette Interview findet man auch <a href=\"http:\/\/www.digital-lernen.de\/nachrichten\/netzpolitik\/einzelansicht\/artikel\/schlandnet-internet-infrastrukturen-und-worum-es-wirklich-geht.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">in der Zeitschift DIGITAL LERNEN<\/a>.<\/p>\n<p><i><b>Thorsten Greb<\/b><\/i>:  K\u00fcrzlich bin ich auf Ihren sehr interessanten Blogeintrag &#8222;<a href=\"http:\/\/blog.suma-ev.de\/node\/210\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Auf dem Weg zu einer europ\u00e4ischen Internet-Infrastruktur?<\/a>&#8220; aufmerksam geworden. Ich finde die Idee sehr spannend und reizvoll, aber auch nicht ganz unproblematisch.  Gerne w\u00fcrde ich hierzu einen Dialog mit Ihnen f\u00fchren.  Im Folgenden einige Fragen, die ich nach einer ersten intensiven Besch\u00e4ftigung mit Ihrem Blogeintrag aufwerfen m\u00f6chte. [&#8230;]<\/p>\n<p><i><b>Wolfgang Sander-Beuermann<\/b><\/i>: Als ich mir Ihre Fragen zun\u00e4chst mal im Zusammenhang angeschaut habe, da erschienen zeitgleich im Netz die ersten b\u00f6sartigen Kommentare zu einem sog. #schlandnet. Gemeint ist ein abgek\u00fcrztes &#8222;Deut-schlandnet&#8220;, der Kurzname soll wohl &#8222;schandnet&#8220; assoziieren.  Als ich die Meinungs\u00e4u\u00dferungen dazu las und h\u00f6rte, dachte ich &#8211; wie seinerzeit ein deutscher Finanzminister &#8211; &#8222;mich tritt ein Pferd&#8220;. Offenbar kann man sowas auch gr\u00fcndlich missverstehen. Daher hier erstmal ein paar grunds\u00e4tzliche Klarstellungen.<\/p>\n<p>Es geht hier NICHT darum, ein &#8222;Netz im Netz&#8220; in Deutschland zu etablieren. Es geht darum, dass die Routing-Tabellen der Internetknoten in Deutschland so ge\u00e4ndert werden, dass Datenpakete aus Deutschland mit einem Ziel in Deutschland innerhalb deutscher Jurisdiktion bleiben und nicht unsinnige Umwege, wie z.B. \u00fcber den Atlantik ins NSA-Heimatland oder via englischem Geheimdiensten nehmen.  Das ist alles.  Der Rest der Internet-Infrastruktur in Deutschland bleibt unver\u00e4ndert und NAT\u00dcRLICH wird das globale Internet genauso erreichbar sein und bleiben.<\/p>\n<p>Damit beantworten sich Ihre Fragen sicherlich fast von selber; hier trotzdem noch meine klaren Antworten zu den Fragen.<\/p>\n<p><i><b>Thorsten Greb<\/b><\/i>: Sprechen wir hier von einer digitalen \u201eFestung Europa\u201c, einer irgendwie gearteten &#8222;Membran\u201c, die selektiv einen Datenaustausch zwischen den Kontinenten zulassen soll, oder ist am Ende der Internetnutzer selbst in der Lage zu entscheiden, ob er Webdienste aus \u00dcbersee nutzt?<\/p>\n<p><i><b>Wolfgang Sander-Beuermann<\/b><\/i>: Selbstverst\u00e4ndlich entscheidet NUR der Nutzer, ob er Webdienste aus \u00dcbersee nutzt!  Es gibt auch keine &#8222;Membran&#8220;, die Datenaustausch filtert.  Es geht lediglich um Routing-Tabellen in deutschen Internetknoten, welche einen Datenflu\u00df von einem deutschen PC oder Server zu einem anderen deutschen PC oder Server innerhalb Deutschlands belassen.<\/p>\n<p><i><b>Thorsten Greb<\/b><\/i>: Wenn man eine Lehre aus dem gegenw\u00e4rtigen Aussp\u00e4hskandal ziehen m\u00f6chte, dann ist es meiner Meinung nach die Erkenntnis, dass Staaten und ihre Geheimdienste keine Kosten und M\u00fchen scheuen, den Internetverkehr zu \u00fcberwachen.<\/p>\n<p><i><b>Wolfgang Sander-Beuermann<\/b><\/i>: So ist es. Und genau DARUM vertraue ich auch keiner &#8222;politischen L\u00f6sung&#8220; allein.  Geheimdienste werden sich im Zweifelsfall von keinem &#8222;No-Spy-Abkommen&#8220; bremsen lassen. Und genau DARUM brauchen wir neben den politischen Ma\u00dfnahmen auch eine Technik, die das Abh\u00f6ren zumindest sehr schwierig und damit teuer macht.<\/p>\n<p><i><b>Thorsten Greb<\/b><\/i>: Das Abh\u00f6ren des Internetverkehrs ist f\u00fcr Staaten heute ein unverzichtbares Mittel zur politischen wie wirtschaftlichen Machtsicherung und -erweiterung.  Glauben Sie, dass eine deutsche oder gar eine europ\u00e4ische Internet-Infrastruktur hiergegen eine wirksame H\u00fcrde darstellen kann?<\/p>\n<p><i><b>Wolfgang Sander-Beuermann<\/b><\/i>: Ja. Es wird nie 100%-ige Sicherheit gegen Abh\u00f6ren und Hacking geben, aber es sollte so schwer wie m\u00f6glich gemacht werden.  Und derzeit sind die T\u00fcren &#8222;sperrangelweit&#8220; offen.<\/p>\n<p><i><b>Thorsten Greb<\/b><\/i>: W\u00fcrden mit einer deutschen oder europ\u00e4ischen Internet-Infrastruktur nicht die &#8222;Auffindbarkeit und Erreichbarkeit von Wissen&#8220; sowie der &#8222;Pluralismus des Wissenszugangs&#8220; auf dem Altar geopfert?<\/p>\n<p><i><b>Wolfgang Sander-Beuermann<\/b><\/i>: Im Gegenteil: &#8222;Auffindbarkeit und Erreichbarkeit von Wissen&#8220; darf nicht unter Kontrolle und Zensur von Staaten oder globalen Konzernen stattfinden! &#8222;Freier Wissenszugang&#8220; bedeutet, dass der Zugang zum Wissen NICHT \u00fcberwacht und kontrolliert wird<\/p>\n<p><i><b>Thorsten Greb<\/b><\/i>: Oder anders gefragt: W\u00e4ren in einem solchen Szenario, Informationen, die beispielsweise auf Servern in den USA oder anderen Weltregionen lagern, weiterhin problemlos f\u00fcr den deutschen respektive europ\u00e4ischen Ottonormal-Internetnutzer erreichbar?<\/p>\n<p><i><b>Wolfgang Sander-Beuermann<\/b><\/i>: Selbstverst\u00e4ndlich! Alles andere w\u00e4re absurd.<\/p>\n<p>Fortsetzung des Gedankenaustausches am 21.11.2013:<\/p>\n<p><i><b>Thorsten Greb<\/b><\/i>: Wir h\u00e4tten dann also ein Internet, das Anfragen auf Deutsche oder Europ\u00e4ische Server ausschlie\u00dflich innerhalb der Deutschen respektive Europ\u00e4ischen Gerichtsbarkeit verarbeitet. Gleichzeitig befinden sich aber die meistbenutzten und beliebtesten Webangebote au\u00dferhalb des Europ\u00e4ischen Rechtsraum. Wie soll das zusammengehen?<\/p>\n<p><i><b>Wolfgang Sander-Beuermann<\/b><\/i>: Diese Frage beschreibt die aktuelle Situation. Aber genau diese Situation wollen wir ja \u00e4ndern.  Wir m\u00fcssen es in Deutschland und Europa schaffen, Angebote zu implementieren, die den bisherigen meistbenutzten und beliebtesten \u00fcberlegen sind.<\/p>\n<p>Diese Situation ist sehr vergleichbar der bei den Satellitennavigationssystemen.  Hier gibt es seit langem das US-amerikanische GPS. Wenn die USA das abschalten, steht Europa &#8222;im Dunkeln&#8220;. Genau so ist die Situation des heutigen Internet. Darum hat Europa bei der Satellitennavigation das eigene System Galileo auf den Weg gebracht. Dies kostet zwar einige Milliarden Euro, wird aber letztlich besser und genauer sein, als GPS. Und GENAU DAS m\u00fcssen wir auch im Internet machen.<\/p>\n<p><i><b>Thorsten Greb<\/b><\/i>: &#8222;Meide amerikanische Server&#8220;, war k\u00fcrzlich Ihre Empfehlung in einem Radiointerview. Kommen wir am Ende also nicht drumherum, unser Surfverhalten von Grund auf zu \u00e4ndern? Und ist dies letztlich der   Ratschlag, den wir Kindern und Jugendlichen zuk\u00fcnftig im Rahmen der Medienkompetenzvermittlung mit auf den Weg geben m\u00fcssen?<\/p>\n<p><i><b>Wolfgang Sander-Beuermann<\/b><\/i>: Diese Empfehlung gilt, solange wir in Europa so weit hintendran sind, wie es jetzt der Fall ist.  Je eher Europa anf\u00e4ngt, Internet-technologisch unabh\u00e4ngig zu werden, desto eher wird dieser Ratschlag \u00fcberfl\u00fcssig werden.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>schlandnet, Internet-Infrastrukturen und worum es wirklich geht Das folgende Interview ist aus einem Gedankenaustausch mit Thorsten Greb, Redakteur beim Magazin DIGITAL LERNEN, entstanden. 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