{"id":881,"date":"2017-09-11T15:24:05","date_gmt":"2017-09-11T13:24:05","guid":{"rendered":"https:\/\/beta.suma-ev.de\/?p=881"},"modified":"2019-10-30T10:53:35","modified_gmt":"2019-10-30T09:53:35","slug":"wankt-das-google-monopol","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/suma-ev.de\/en\/wankt-das-google-monopol\/","title":{"rendered":"Wankt das Google-Monopol?"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wankt das Google-Monopol?<\/h2>\n\n\n<p><i>Manuela Branz, Hannover, branz@suma-ev.de<\/i><\/p>\n<p>Dass Monopole problematisch sind, wissen wir. Die Konzentration von Geld und Macht birgt \u00f6konomische Risiken, aber auch Probleme, die das gesamte gesellschaftliche System betreffen, unser aller Leben. Im Roman \u201eCircle\u201c von Dave Eggers (2014) wird beschrieben, wie dieses monopolistische System langsam Macht \u00fcber alle Lebensbereiche der Protagonisten gewinnt, wie der Internetkonzern zum Zwecke totaler Kommunikation und Transparenz Strukturen verankert, deren antidemokratisches, ja totalit\u00e4res Potential sich bald schon offenbart. Auf Kritiker wird massiv Druck ausge\u00fcbt, St\u00f6renfriede werden schon mal mundtot gemacht. Diese Schreckensvision einer \u00dcberwachungsgesellschaft in Orwellscher Machart ber\u00fchrt in ihrem aktuellen Gewand (gl\u00e4serner Mensch arbeitet in einer Firma, die stark an Google erinnert) mit einer bewussten Anlehnung an die Realit\u00e4t. Wir sehen: Eine skeptische Haltung m\u00e4chtigen Konzernen gegen\u00fcber findet sich nicht nur bei linken Kapitalismusgegnern, sondern ist inzwischen weit verbreitet (und nat\u00fcrlich auch durchaus angebracht).<\/p>\n<p>Nun zeigt sich aber wieder mal: Die Realit\u00e4t kann es mit einigen dieser Visionen locker aufnehmen. Dass der o.g. Roman mit dem Google-Vergleich spielt, ist kein Zufall. Nirgendwo besser als im Google-Universum kann man aktuell so hervorragend sehen, mit welchen Instrumenten m\u00e4chtige Konzerne an ihrer Machtstellung arbeiten: Lobbyismus, Verflechtung mit politischen Instanzen, der Versuch der politischen und gesellschaftlichen Einflussnahme. Es ist ein in sich geschlossenes System, fast unanfechtbar, scheinbar unzerst\u00f6rbar. Doch langsam ger\u00e4t das System Google in Turbulenzen. Zun\u00e4chst war Google von der EU-Kommission zu einer Rekordstrafe von 4,42 Milliarden Euro verdonnert worden. Diese Entscheidung war gefallen, weil der Konzern seine \u201emarktbeherrschende Stellung mit seinem Preisvergleichdienst missbraucht\u201c, zitierte die Tagesschau.de am 27.8.2017 den Kommissionsbericht [1]. Dann kam der Fall Benny Lynn in die \u00d6ffentlichkeit. Als Leiter einer Gruppe des von Google gef\u00f6rderten Thinktanks \u201eNew America Foundation\u201c postete Lynn auf der Webseite seine Meinung zur Entscheidung der EU-Kommission und begr\u00fc\u00dfte die Rekordstrafe. \u201eGoogles Marktmacht ist heute eine der wichtigsten Probleme f\u00fcr Wettbewerbspolitik in der Welt&#8220;, wurde Barry Lynn auf der Website der \u201eNew America Foundation\u201c zitiert. Er rief die US-Regierung dazu auf, nach dem Vorbild der EU zu handeln. Daraufhin gab es in der \u201eNew America Foundation\u201c den Rausschmiss der Abteilung \u201eoffene M\u00e4rkte\u201c, als dessen Leiter Lynn fungierte.[2]<\/p>\n<p>Doch das ist nicht alles. Im Nachklang dieser Geschichte melden sich nun auch andere Personen zu Wort, die ausf\u00fchren, von Google unter Druck gesetzt worden zu sein. So beschreibt Kashmir Hill auf der GIZMODO Media Group`s Website [3], wie sie im Zusammenhang mit ihrer T\u00e4tigkeit als Journalistin bei dem US-amerikanischen Wirtschaftsmagazin \u201eForbes\u201c vor 6 Jahren mit Google in Konflikt gekommen war. In einem Gespr\u00e4ch mit einem Google-Berater \u00fcber soziale Netzwerke sei ihr damals nahe gelegt worden, auf der Forbes Seite einen Google Plus Knopf anzubringen. Wenn sie sich dieser Google Plus Promotion verweigere, leide das Ranking der eigenen Seite darunter, h\u00e4tte der Berater mehrfach betont. Sie h\u00e4tte daraufhin \u00fcber diese Begegnung mit dem Google-Berater einen Artikel ver\u00f6ffentlicht, der diese skandal\u00f6se Ranking-Praxis zum Gegenstand gehabt h\u00e4tte. Unter Druck ihres Arbeitgebers und Googles h\u00e4tte sie ihn dann aber wieder l\u00f6schen m\u00fcssen. Doch der eigentliche Skandal h\u00e4tte sich erst im Anschluss entwickelt: Das Dokument sei sehr bald restlos gel\u00f6scht gewesen. Normalerweise sind Spuren eines gel\u00f6schten Artikels immer noch vorhanden, sei es in der Form der \u00dcberschrift oder im Cache. In dem Falle aber sei eine Art radikaler S\u00e4uberung erfolgt, f\u00fcr deren Umsetzung nur Google selbst in Frage k\u00e4me. Ihr fr\u00fcherer Arbeitgeber h\u00e4tte gar nicht die Mittel dazu besessen, berichtet sie in ihrem Post vom 31.8.2017. Welche Macht hier nun wirklich f\u00fcr die L\u00f6schung verantwortlich war, ist heute nicht mehr nachvollziehbar. Klar ist jedoch: Die hemmungslose Machtaus\u00fcbung des Konzerns wird deutlich.<\/p>\n<p>Man kann die oben beschriebenen Ma\u00dfnahmen Googles nun als die typische Praxis eines Monopolisten betrachten, der sich seiner Dominanz versichern will. Imagepflege im weiteren Sinne also, wie man es von einem Konzern dieses Kalibers erwartet. Wenn ein von Google finanzierter Thinktank Google-Kritik betreibt, ist zun\u00e4chst nicht wirklich \u00fcberraschend, wenn Hebel in Bewegung gesetzt werden, den Kritiker los zu werden, sei es auf direkte Weise oder unter Einsatz entsprechender Druckmittel. Andererseits: Google h\u00e4tte auch gelassener auf Barry Lynns Statement reagieren k\u00f6nnen, oder sagen wir so: professioneller. Man kann diese vermutete Einflussnahme Googles auf die Entledigung des Google-Kritikers daher auch durchaus als zunehmend verzweifelten Versuch interpretieren, mit einem um sich greifenden Imageverlust zurecht zu kommen. Denn dieser Imageverlust ist ein zunehmendes Problem f\u00fcr den Tech-Giganten: In den USA verliert Google gerade die politische Unterst\u00fctzung von rechts und von links. Eine wachsende Anzahl liberaler Denker glaubt, die Konzentration gesammelter Macht w\u00e4re ein Hauptverursacher f\u00fcr die Probleme der amerikanischen Wirtschaft. [4] Diese Verschiebung der Wahrnehmung macht die Verantwortlichen bei Google sicher nerv\u00f6s. Zwar sind die Republikaner traditionell gegen Regulierungen. Da aber selbst auf Seiten der Konservativen kritische Stimmen an Einfluss gewinnen, die auf monopolistische Gefahren hinweisen und Regulierung fordern, kann sich doch im Laufe der Zeit ein Paradigmenwechsel ank\u00fcndigen, der Google nicht gefallen wird. Der Gigant wankt nicht, nein, aber zittert. Immerhin. Die Zeit scheint daher reif, dem Konzern sinnvolle Grenzen zu setzen, in den USA, aber auch auf EU-Ebene. Denn dazu reichen die erfolgten Ma\u00dfnahmen noch lange nicht aus.<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<p>[1] <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/google-eu-strafe-101.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.tagesschau.de\/wirtschaft\/google-eu-strafe-101.html<\/a><br>\n[2] <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Google-und-die-Meinungsvielfalt-3818062.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Google-und-die-Meinungsvielfalt-3818062.html<\/a><br>\n[3] <a href=\"http:\/\/gizmodo.com\/yes-google-uses-its-power-to-quash-ideas-it-doesn-t-li-1798646437\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">http:\/\/gizmodo.com\/yes-google-uses-its-power-to-quash-ideas-it-doesn-t-li-1798646437<\/a><br>\n[4] <a href=\"https:\/\/arstechnica.com\/tech-policy\/2017\/08\/google-is-losing-allies-across-the-political-spectrum\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/arstechnica.com\/tech-policy\/2017\/08\/google-is-losing-allies-across-the-political-spectrum\/<\/a><\/p>\n<p><b>Medienkontakt:<\/b><\/p>\n<p>SUMA-EV &amp; MetaGer-Team<br>\nR\u00f6selerstr. 3<br>\n30159 Hannover<br>\nTel: 0511 &#8211; 34 00 00 71<br>\nEMail: office@suma-ev.de<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wankt das Google-Monopol? 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