{"id":936,"date":"2019-04-20T01:52:53","date_gmt":"2019-04-19T23:52:53","guid":{"rendered":"https:\/\/beta.suma-ev.de\/?p=936"},"modified":"2020-02-20T08:17:01","modified_gmt":"2020-02-20T07:17:01","slug":"hoert-sonst-noch-jemand-zu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/suma-ev.de\/en\/hoert-sonst-noch-jemand-zu\/","title":{"rendered":"H\u00f6rt sonst noch jemand zu?"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">H\u00f6rt sonst noch jemand zu?<\/h2>\n\n\n<p>Mythen gibt es im Kontext der digitalen Entwicklung einige und es liegt stets im Interesse bestimmter Unternehmen, diese zu pflegen. Ein solcher Mythos ist der, dass der Sprachassistent Alexa von Amazon seine Spracherkennung ausschlie\u00dflich durch Maschinenlernen verbessert.<\/p>\n<p>Spracherkennungssoftware ist \u00e4hnlich wie ein Schrifterkennungsprogramm ein KI-System. Bekannterweise sind KI-Systeme zwar selbstlernend. Dies bedeutet jedoch nicht, dass ein KI-System ohne hinreichend gute Startparameter gut und schnell lernen kann. Das Trainieren eines Systems zur Spracherkennung ist eine besonders komplexe Aufgabe, da Sprache lebendig ist und sich st\u00e4ndig weiter entwickelt. Au\u00dferdem gibt es \u00fcberall auf der Welt regionale Sprachbesonderheiten, nicht nur in Form von Dialekten.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund besch\u00e4ftigt Amazon weltweit tausende von Mitarbeitern, die an der Verbesserung von Alexa arbeiten, wie der Informationsdienstleister Bloomberg k\u00fcrzlich mitteilte. In dem <a href=\"https:\/\/www.bloomberg.com\/news\/articles\/2019-04-10\/is-anyone-listening-to-you-on-alexa-a-global-team-reviews-audio\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Beitrag<\/a> [1] berichten Gerrit De Vynck, Mark Gurman und Irina Vilcu, dass je Mitarbeiter t\u00e4glich ca. 1000 Alexa-Aufzeichnungen angeh\u00f6rt, transskribiert und mit Anmerkungen zur technischen Verbesserung versehen werden. Die Berichte der Mitarbeiter weisen darauf hin, dass die abgeh\u00f6rten Personen oft gar nicht wissen, dass ihr Echo-Ger\u00e4t Daten zum Amazon-Server \u00fcbertr\u00e4gt, da Hintergrundgespr\u00e4che und Ger\u00e4usche mit privaten, sensiblen und intimsten Inhalten erfasst wurden. Die Berichte deuten ebenfalls an, dass Echo-Ger\u00e4te sehr hellh\u00f6rig auch das Geschehen in Nebenr\u00e4umen verfolgen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Lediglich in einer Liste der am h\u00e4ufigsten gestellten Fragen erkl\u00e4rt Amazon bez\u00fcglich Alexa: \u201eWe use your requests to Alexa to train our speech recognition and natural language understanding systems\u201c. Einen Hinweis von Amazon, dass die Mitschnitte von Amazon-Mitarbeitern abgeh\u00f6rt werden, gab es bislang dabei nicht. Die Nutzung der Tonaufzeichnung zur Weiterentwicklung von Alexa kann in Alexas Einstellungen unterbunden werden, wie Der Spiegel in einem <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/gadgets\/amazon-mitarbeiter-hoeren-sich-tausende-privatgespraeche-mit-alexa-an-a-1262315.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel<\/a> [2] beschreibt.<\/p>\n<p>Gem\u00e4\u00df Informationen auf Amazons Webseite sollen keine Tonaufzeichnungen gespeichert werden, solange Echo nicht das Aktivierungswort &#8211; in der Standardeinstelleung ist dies \u201eAlexa\u201c &#8211; erkennt oder die Aufzeichnung per Knopfdruck aktiviert wird. H\u00e4ufig startet Echo die Aufzeichnung jedoch, ohne dass dies vom Benutzer gewollt wird. Ausl\u00f6ser k\u00f6nnen Audiosequenzen des Fernsehers, laufendes Radio oder andere Ger\u00e4usche sein, die als Aktivierungswort fehlinterpretiert werden.<\/p>\n<p>Dies wurde bisher nur von einzelnen Privatpersonen im Internet berichtet, ist nunmehr durch den Beitrag von Bloomberg jedoch offiziell best\u00e4tigt. In welchem Ausma\u00df diese Fehlfunktion vorliegt, ist dem Beitrag ebenfalls zu entnehmen: Von den ca. 1000 Aufzeichnungen, die ein Amazon-Mitarbeiter t\u00e4glich bearbeitet, werden jeweils etwa 100 fehlerhaft gestartet. Das entspricht einer erheblichen Fehlerquote von zehn Prozent.<\/p>\n<p>Auch von weiteren schwerwiegenden Verletzungen des Datenschutzes durch Alexa wurde in der Vergangenheit berichtet. So informierte Der Spiegel in einem <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/gadgets\/amazon-echo-alexa-zeichnet-gespraech-auf-und-verschickt-es-a-1209462.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Artikel<\/a> [3] dar\u00fcber, dass ein Gespr\u00e4ch nicht nur unbefugt abgeh\u00f6rt, sondern der Inhalt auch noch an einen Kontakt aus dem Adressbuch verschickt wurde.<\/p>\n<p>Aufgrund der bereits bekannten Pannen im Zusammenhang mit Alexa, Google Home &amp; Co hat ein findiger Anbieter ein <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/netzwelt\/gadgets\/amazon-echo-und-google-home-project-alias-soll-privatsphaere-pannen-verhindern-a-1248626.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Alias-Ger\u00e4t<\/a> [4]entwickelt, dass dem Sprachassistenten \u00fcbergest\u00fclpt wird und an diesen nur St\u00f6rger\u00e4usche \u00fcbermittelt. Das Ger\u00e4t erm\u00f6glicht die v\u00f6llig flexible Festlegung des Aktivierungsworts, wodurch fehlerhafte Aktivierungen m\u00f6glicherweise reduziert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wer in seinem Privathaushalt trotz der beschriebenen erheblichen Datenschutzm\u00e4ngel ein solches Ger\u00e4t betreiben m\u00f6chte, der wird daf\u00fcr gute Gr\u00fcnde haben. Und es ist jedermanns pers\u00f6nliche Angelegenheit, sich daf\u00fcr oder dagegen zu entscheiden. W\u00fcnschenswert w\u00e4re aber, wenn der Alexa-Besitzer auch als privater Gastgeber daran denkt, rechtzeitig den Stecker zu ziehen. Ansonsten stellt sich die Frage, ob beim Besuch von Freunden vorher zu kl\u00e4ren ist, ob Alexa mit von der Partie ist. So abwegig ist der Gedanke nicht: Auch Jugendliche verst\u00e4ndigen sich bei privaten Treffen immer h\u00e4ufiger darauf, die Handys in einen Nebenraum zu verbannen, weil ihnen das Gef\u00fchl unangenehm ist, \u00fcber die Handys abgeh\u00f6rt werden zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auch dass der Einsatz von <a href=\"https:\/\/suma-ev.de\/index.php\/2018\/05\/31\/alexa-auf-der-massagebank\/\" rel=\"noopener noreferrer\">[5] Alexa in Massagepraxen<\/a> datenschutzrechtlich ein No-Go ist, d\u00fcrfte durch die beschriebenen Abh\u00f6rma\u00dfnahmen nunmehr endg\u00fcltig klar sein.<\/p>\n<p>Sabine Materne<\/p>\n<p>[1] <a href=\"www.bloomberg.com\/news\/articles\/2019-04-10\/is-anyone-listening-to-you-on-alexa-a-global-team-reviews-audio\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.bloomberg.com\/news\/articles\/2019-04-10\/is-anyone-listening-to-you-on-alexa-a-global-team-reviews-audio<\/a><\/p>\n<p>[2] <a href=\"www.spiegel.de\/netzwelt\/gadgets\/amazon-mitarbeiter-hoeren-sich-tausende-privatgespraeche-mit-alexa-an-a-1262315.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.spiegel.de\/netzwelt\/gadgets\/amazon-mitarbeiter-hoeren-sich-tausende-privatgespraeche-mit-alexa-an-a-1262315.html<\/a><\/p>\n<p>[3] <a href=\"www.spiegel.de\/netzwelt\/gadgets\/amazon-echo-alexa-zeichnet-gespraech-auf-und-verschickt-es-a-1209462.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.spiegel.de\/netzwelt\/gadgets\/amazon-echo-alexa-zeichnet-gespraech-auf-und-verschickt-es-a-1209462.html<\/a><\/p>\n<p>[4] <a href=\"www.spiegel.de\/netzwelt\/gadgets\/amazon-echo-und-google-home-project-alias-soll-privatsphaere-pannen-verhindern-a-1248626.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">www.spiegel.de\/netzwelt\/gadgets\/amazon-echo-und-google-home-project-alias-soll-privatsphaere-pannen-verhindern-a-1248626.html<\/a><\/p>\n<p>[5] <a href=\"https:\/\/suma-ev.de\/index.php\/2018\/05\/31\/alexa-auf-der-massagebank\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Alexa auf der Massagebank<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>H\u00f6rt sonst noch jemand zu? 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