Di.Day

Termine/ Themen/ Aktivitäten

Di.Day – Digital Independence Day

Der Di.Day ist ein aktuelles Aktionsevent rund um digitale Selbstbestimmung. Der immer am ersten Sonntag eines Monats stattfindende Tag soll daran erinnern, wie wichtig Privatsphäre, Transparenz und Wahlfreiheit in der digitalen Welt sind. Der Tag wurde ins Leben gerufen, um das Bewusstsein für unabhängige, faire und offene Technologien zu stärken und Menschen zu empowern, sich kritisch mit digitalen Angeboten auseinanderzusetzen. Unterstützt wird er von Organisationen, Initiativen und Mitarbeitenden aus dem Bereich Datenschutz, Zivilgesellschaft, Digitalkommunity und Bildung, die sich für eine offene, unabhängige digitale Infrastruktur einsetzen.

Bisherige Beiträge auf dieser Seite:

Linux | Email | Open Web Index

_________________

Linux

Ja, es ist schon wieder ein Monat rum und es ist schon wieder Digital Independence Day! Das ist wie der Gang zum Gym: „heute aber wirklich“. Aber ob nun der innere Schweinehund überwunden werden muss, oder der Geldbeutel leer ist- in jedem Fall muss etwas getan werden. Wir wollen nun angesichts der vielen nicht Windows 11 fähigen Computer, die ihr Dasein in dunklen Schubladen fristen müssen, zeigen, dass diese ihren Wert gar nicht verloren haben.

Dies soll nur eine kleine Handreichung sein, die zeigt, wie einfach es mittlerweile ist, auch einem alten und/oder schwachbrüstigen Computer – ob nun Desktop- oder Laptopvariante- wieder Leben jenseits von nicht mehr supportetem Windows einzuhauchen. Die Leute, die sich damit auskennen, brauchen wirklich nicht weiterzulesen.

– Was brauchen wir dafür?

Da es sich um eine Anfängeranleitung handelt, gehen wir davon aus, dass Sie noch einen gebrauchsfähigen Windowscomputer zur Hand haben, um den Download durchzuführen und den Bootstick zu erstellen. Gut ist auch, eine zusätzliche Computermaus zu haben. Versuchen Sie an dieser Stelle, den alten Computer zu starten, um eventuell noch wichtige Dateien wie Fotos etc. zu finden, oder zu sichern. Startet er nicht, können Sie das Folgende praktisch immer trotzdem machen. Aber beachten Sie, dass alle alten Daten gelöscht werden.

Nehmen wir einmal an, es ist ein wirklich schwacher Laptop, aber bereits mit 64-Bit Architektur (vielleicht auch mit wenig RAM). Die Entscheidung, welche der vielen Linuxdistributionen (Siehe Punkt 5 der Linkliste unten) Sie wählen könnten, kann Ihnen eigentlich niemand abnehmen. Wir entscheiden uns hier für ein total entschlacktes LUbuntu, ohne das im Einzelnen zu begründen.

Wir müssen es downloaden und finden es auf der Webseite https://cdimage.ubuntu.com/lubuntu/releases/noble/release/. Aus der Liste können wir momentan nur Iso-Dateien gebrauchen. Wählen Sie die Datei mit dem wohlklingenden Namen „lubuntu-24.04.4-desktop-amd64.iso“ aus der Liste. Es ist im März 2026 die neueste Version.

Wenn der Download komplett ist, dann kann es weitergehen. Nach dem Download befindet sich die Isodatei im Downloadordner Ihres Webbrowsers. Sie hat eine Größe von 3,37 Gigabyte.

Jetzt benötigen wir noch einen USB-Stick mit einer Größe von wenigstens 9 Gigabyte. Gucken Sie vorher mal nach, ob noch irgendetwas auf dem Stick ist, denn nach dem Erzeugen des Bootsticks ist alles andere gelöscht. Der Stick wird in einen USB-Port des Windowscomputers gesteckt (beachten Sie dabei bitte unbedingt die Anleitung unter Punkt 6 unten).

Wir brauchen nun eine Software, die uns mit Hilfe dieser Datei einen bootfähigen USB-Stick erzeugt, mit dem wir also einen Computer starten können. Unten in der Linksammlung unter Punkt 1 finden Sie ein weiteres Beispiel, wir verwenden hier mal die Software „Rufus“, also den ersten Link dort. Wir gehen auf die Seite und wählen in der kleinen Liste im Bereich „Download“ den ersten Eintrag „rufus-4.13.exe“ und klicken darauf. Die Software wird heruntergeladen und ist im Downloadordner. Dort starten wir deren Installation und das Rufus-Fenster erscheint. Klicken Sie auf das Wort „Auswahl“ und nicht auf den Pfeil daneben. Ein Dialog erscheint und Sie wählen die eben heruntergeladene Isodatei im Downloadordner aus.

– Wie machen wir das nun?

Nun kommt das spannendste der ganzen Sache. Oben im Feld „Laufwerk“ zeigt Ihnen die Rufus-Software wahrscheinlich schon Ihren USB-Stick an. Falls nicht, dann müssen Sie den Eintrag ändern.

Wenn Sie sich an dieser Stelle nicht sicher sind, was Sie wählen, dann lassen Sie es, denn dort wird während der Installation alles gelöscht. Beenden Sie dann bitte Rufus, starten Sie den Windows Dateiexplorer, wählen Sie auf der linken Seite den USB-Stick mit der rechten Maustaste aus und klicken auf „Formatieren“. Im Dialog tragen Sie einen selbstgewählten Namen ein und formatieren den Stick. Wählen Sie „Schnellformatierung“. Nun starten Sie wieder Rufus (ist im Downloadordner) und können den Stick dann in der Auswahl am Namen erkennen. Wenn Sie in Rufus den Mauszeiger über das ausgewählte Laufwerk halten (nicht klicken), dann erscheint noch eine Info.

Ansonsten machen Sie als Anfänger dort am besten keine weiteren Einstellungen und klicken unten auf Start. Dann lehnen Sie sich zurück und warten, bis der Stick fertig ist.

Wenn es soweit ist, dann nehmen Sie den schwachbrüstigen Laptop zur Hand und stecken den Stick in einen USB-Port. Schalten Sie den Laptop ein und drücken Sie die Taste für das Bootmenu. Diese ist immer eine andere, damit klar wird, dass die Hersteller sich Gedanken darüber gemacht haben. Unten in der Linksammlung unter Punkt 2 finden Sie wahrscheinlich Hilfe.

Sollten Sie zu langsam sein, wird das alte Betriebssystem gestartet; scheuen Sie sich nicht, den Laptop einfach mit einem langen Tastendruck auszuschalten und es neu zu versuchen. Wenn Sie es geschafft haben, dann können Sie den selbst erzeugten Stick in der Liste sehen. Wählen Sie ihn und booten sie von dort. Das Betriebssystem wird nun in einer Liveversion gestartet und am Computer selbst wird nichts verändert. Das bedeutet, dass LUbuntu läuft, aber noch nicht installiert ist. Auf dem Desktop starten Sie dann mit Doppelklick auf das Icon die „echte“ Installation. Sie können verschiedene Dinge auswählen, für die wir aber keine Empfehlungen geben können, da sich das nach Ihren Bedürfnissen richtet. Allerdings sollten Sie die Option „Festplatte löschen“ wählen, denn ein alter schwacher Computer verträgt keine zwei Betriebssysteme und hat wahrscheinlich auch nicht genug Platz. Sie können dem Computer während der Installation Zugang zu Ihrem WLAN (so vorhanden) geben, oder auch direkt ein LAN-Kabel benutzen. Dies muss aber nur dann sein, wenn Sie die Option „Software von anderen Anbietern“ gewählt haben. Wenn es fertig ist, nehmen Sie sich die Zeit und gucken sich mal um. Wir empfehlen, auch schon während der Installation eine Maus zu benutzen. Bei LUbuntu finden Sie unter dem Menupunkt „Büro“ das komplette Libre-Office vorinstalliert. Alles sieht insgesamt sehr gewohnt für die Augen von Windowsnutzern aus.

Übrigens geht es eigentlich so schnell, dass Sie ruhig mal experimentieren und alles einfach noch einmal mit anderen Einstellungen probieren können. Oder Sie versuchen es mit einer anderen Linuxversion. Der Vorgang ist immer der gleiche. Bei den verschiedenen Distributionen finden Sie hier und da den Namenszusatz „LTS“, das bedeutet „Long Term Service“, diese Version wird also noch auf lange Zeit mit Updates versorgt.

– Was geht außerdem noch?

Zu guter Letzt: Sie können Linux übrigens auch gleichzeitig (siehe unten Punkt 3) neben Windows betreiben, oder wenn Sie Feuer gefangen haben, sich einen eigenen Live-Stick machen, den Sie mit sich herumtragen und so jederzeit ein verlässliches Betriebssystem – dann mit persönlichem Speicherplatz zum Mitnehmen- überall zur Hand zu haben. Eine von vielen Anleitungen finden Sie unter Punkt 4 unten. Sie können damit ein anderes auf dem aktuell benutzten Computer vorhandenes Betriebssystem (das ja nicht gebootet wurde) nach Viren scannen, ohne dass dieses, bzw. die Viren darin, etwas davon mitbekommen können. Dies machen Sie selbstverständlich wenn überhaupt nur bei Ihren eigenen Computern.

1.) Links zu Software für die Erstellung von bootfähigen USB-Sticks (2 Beispiele von vielen):

2.) Link zu Informationen über Tastenkombinationen:

3.) Links zu Informationen bei gleichzeitiger Benutzung verschiedener Betriebssysteme (3 Beispiele):

4.) Link zu einer (etwas) weiterführenden Nutzung von Rufus

5.) Link zur einer Liste von Linuxdistributionen

6.) Anweisung für USB-Stecker (einzig bekannte):

Ein USB-Stecker oszilliert, wenn er unbeobachtet ist, immer zwischen den Positionen „Up“, „Down“ oder „Super“. Sobald Sie ihn ansehen, loggt die Position entgegengesetzt zu der erforderlichen ein und kann nur durch Berührung mit einem USB-Port wieder befreit werden; der dann folgende Switch loggt den Stecker in die andere nicht erforderliche und konträre Position ein. Bei der zweiten Berührung mit dem Port wird dann die richtige Position geloggt und der Stecker passt. Wenn Sie den Stecker sofort drehen, ohne ihn anzusehen, oder den Computer auf den Kopf stellen, wird gar nicht geloggt.

______________________________

Email

Da wir immer wieder gefragt werden, warum wir keinen eigenen Email-Dienst anbieten, möchten wir Sie an dieser Stelle auf Tuta Mail als eine ausgefallene Alternative zu herkömmlichen Email-Diensten hinweisen. Denn eins ist klar: selber anbieten können wir das nicht.

Wir machen keine Werbung mehr, aber diese eine Ausnahme in Form einer Zusammenarbeit soll es geben, weil uns das Produkt gefällt, wir Email wichtig finden und Tuta Mail werbefrei ist – Tuta.com

Wie Sie wissen, sind uns einige Sachen sehr wichtig:

  • Da wäre der Datenschutz.
  • Da wären die Kosten. Wie finanziert sich ein Dienst? Wenn er kostenlos ist, wie kommt das? Wo liegen die Daten gegebenenfalls?
  • „Verschlüsselung / Privatsphäre“: hat man dort schon mal davon gehört?
  • Werden Alternativen unterstützt? Tuta Mail bietet neben der App auch einen Desktop Client für Linux an.
  • Und dann wäre da noch: Tuta Mail wird in Hannover auf dem Hinterhof gemacht. Wie es sich gehört.

Wir möchten an dieser Stelle nicht weiter ins Detail gehen, sondern Sie auffordern, sich da selbst ein Bild zu machen.

_______________________________________

Open Web Index

Wir können nur digital unabhängig sein, wenn die digitale Infrastruktur unabhängig ist. Aus diesem Grund wurde der Aufbau eines Open Web Index von der EU finanziert. In mehreren Jahren flossen 8,5 Millionen Euro aus dem Horizon-Programm in das Projekt. Doch jetzt wurde die Förderung beendet. Doch ohne Übergangs-Fördermittel wird die aufwändige Pflege des aufgebauten Index schwierig. Natürlich wird nun alles getan, damit das Projekt weiter bestehen kann, aber diesen Bemühungen sind Grenzen gesetzt.

Ein eigener Index reduziert die Abhängigkeit von großen Anbietern. Mit eigener Datenstruktur lassen sich eigene Suchdienste, KI-Anwendungen oder Suchfunktionen entwickeln – ohne an die Indizes der Großen gebunden zu sein.

Denn verlässt man sich nur auf wenige globale Suchmaschinen bzw. Indizes, hat dies gravierende Folgen: Wenn wenige Indizes steuern, was sichtbar ist, führt das zu einer Machtkonzentration, die wir nicht tolerieren sollten. Die Zensur- und Manipulationsrisiken sind groß, Inhalte können bevorzugt oder gelöscht werden. Wenn es bei den großen Anbietern Rechtsstreitigkeiten gibt, stört das ebenfalls den freien Zugang zu Wissen und Informationen.

Deshalb braucht Europa mehrere, unabhängige Initiativen basierend auf dem Open Web Index statt einer Abhängigkeit von US-Plattformen.

Von der Illusion zur informierten Entscheidung

Das Versprechen „alles umsonst“ hat sich auf unser Verständnis von Digitalität gelegt – als wäre der Preis allein monetär. In Wahrheit zahlen wir mit Aufmerksamkeit, Daten, Privatsphäre und manchmal auch mit der Unabhängigkeit der Informationsvermittlung. Kostenpflichtige Modelle können Qualität, Privatsphäre und Unabhängigkeit fördern – aber nur, wenn sie klar, fair und nutzerorientiert gestaltet sind. Nutzer, Journalismus, Zivilgesellschaft und Regulierung stehen gemeinsam in der Verantwortung, Modelle zu entwickeln, die Zugang, Freiheit und Informationsvielfalt bewahren.

en_USEnglish