„Nur Daten, die nicht gesammelt sind, sind auch tatsächlich sicher“

„Nur Daten, die nicht gesammelt sind, sind auch tatsächlich sicher“

Die Idee, wie der Open-Web-Index Teil einer „Privacy-respektierenden“ Webinfrastruktur werden kann, ist auf dem diesjährigen SUMA-EV-Kongress konkreter geworden.

Neue Ansätze standen im Mittelpunkt des 14. SUMA-EV-Kongresses am 2.3.2016 in Hamburg. „Die offene Web-Gesellschaft“, unter diesem Titel berieten rund 100 Teilnehmer über europäische Netz-Strategien. Weiterer Höhepunkt: Die Prämierungen zum 8. deutschen SUMA-Award standen noch ganz im Banne des NSA-Skandals: der 1. Preis ging an Edward Snowden, der 2. an pEp („pretty easy privacy foundation“, https://pep-project.org) und der 3. an PRISM Break (https://prism-break.org/de). Sie zeigten gleichzeitig, dass längst zahlreiche Initiativen aktiv sind, um Datenschutz und Privacy – die Grundlagen für Meinungsfreiheit und Wettbewerb – wieder herzustellen.

Dr. Christian Grugel, bis vor Kurzem im Bundesjustizministerium tätig, betrachtete das Internet in historischer Distanz und skizzierte technische und regulative Ansätze, die eine europäische digitale Initiative politisch flankieren könnten. Prof. Dirk Lewandowski, HAW Hamburg, gab einen Überblick über den aktuellen Stand der Diskussionen über den Open-Web-Index.

Alternativen sind nicht nur machbar, Dr. Marc Al-Hames von der Hubert- Burda-Media-Tochter Cliqz und Arkady Borkovsky, Co-Founder der russischen Suchmaschine Yandex gaben Einblick in ihre eigenen Aktivitäten.

Es tut sich was im Suchmaschinenmarkt

Das von anderen Suchmaschinen stark unterscheidende Konzept einer Browser-Suchmaschine, in Deutschland bisher kaum beachtet, sorgte für lebhafte Diskussionen. Der Ansatz von Cliqz, keine personenbezogenen Daten zu sammeln, ist für Dr. Marc Al-Hames die einzige Möglichkeit, der Verlockung der Datennutzung zu widerstehen – Zitat Al-Hames:“ Nur Daten, die nicht gesammelt sind, sind auch tatsächlich sicher“. Das Projekt ist Hochtechnologie-getrieben. Untersuchungen von Cliqz haben ergeben, dass 80 Prozent der Suchanfragen auf 10.000 Websites konzentriert sind. Mit seiner Browsersuche will Cliqz einen Beitrag dazu leisten, dass eben diese 80% Suchanfragen direkt zu den relevanten Ergebnissen geleitet werden und sich nicht erst im Nirvana überflüssiger Werbeplatzierungen auf irgendwelchen Startseiten verfangen. Verblüffende Marktdaten konnte Al-Hames ebenfalls präsentieren. Die Marketingaufwendungen von Google, so konnte er zeigen, liegen in etwa doppelt so hoch wie die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung.

Alternativen sind möglich. Yandex ist in Russland und der Türkei erfolgreich

Erfolgreich ist auch die russische Suchmaschine Yandex, die auf dem Heimatmarkt auf einen Marktanteil von ca. 60 Prozent kommt. Auch in anderen Ländern ist Yandex erfolgreich. „All about Money“ ist für Arkady Borkovsky die richtige Schlußfolgerung. Wie schwer es ist, Marktanteile zu gewinnen, veranschaulichte Borkovsky am Beispielmarkt Türkei. Das Rezept, binnen zwei Monaten von 2 auf 7 Prozent zu wachsen bestand darin, sich als voreingestellte Suchmaschine in den Mozilla Firefox einzukaufen – eine Strategie, die allerdings nur funktionieren kann, wenn ein erstklassiges Produkt vorliegt. Selbstbewußt verweist Yandex dabei auf seine Forschungseinrichtungen in verschiedenen Ländern, u.a. dem Silicon Valley. Deutschland sei für ihn, so Borkovsky abschließend, nur dann ein Markt, wenn ein potenter Investor bereit stünde.

In Deutschland stellt die gänzlich runderneuerte Suche mit MetaGer, in die auch Ergebnisse von Yandex einfliessen, im 20-ten Jahr ihres Betriebes die datensichere Alternative dar. Die stetig steigenden Nutzerzahlen zeigen auch bei MetaGer den zunehmenden Bedarf der User nach datensicheren Wegen im Web.

Die Erfolgsgeschichte „SUMA-Award“

Konkrete Projekte zu fördern ist eines der Ziele des SUMA-Award, der seit 2008 jährlich vergeben wurde. Axel Kistner (Interaktive Demokratie e. V.) nutzte die Möglichkeit, die Erfolgsgeschichte der Partizipationssoftware LiquidFeedback, SUMA-Award Preisträger des Jahres 2011, zu skizzieren. Die freie Software, die von vielen mit den Piraten verbunden wurde, ist tatsächlich unabhängig davon und wird längst für regionale, aber auch weltweite Konsultationsprozesse genutzt (www.liquidfeedback.org). Wie der SUMA-EV das Preisgeld von 3.000 Euro in Snowdens Moskauer Asyl transferieren möchte, ist noch offen – die SUMA-EV-Mitglieder hatten in einem Voting für Snowden entschieden. Einen Scheck für den 2. Preis über 1.500 Euro konnte Volker Birk von der „pretty easy privacy foundation“ gleich mitnehmen. Die Stiftung will „easy to use“ Lösungen für Privacy im Netz entwickeln. Das Thema Netzsicherheit bildet auch die Klammer zu prism-break.org, einer weltweit aktiven Initiative, die dazu beitragen will, „prism-sicher“ im Netz zu kommunizieren. Sie gibt dazu Empfehlungen für verschiedenste Softwarelösungen ab.

Offener Web-Index auch künftiger Arbeitsschwerpunkt

Einigkeit zeigten die Diskutanten der Abschlußrunde unter der Leitung von Spiegel-Online Redakteur Dr. Christian Stöcker. Ein offener Web-Index ist ein wichtiger Baustein für einen Neustart Europas ins Netzzeitalter.

Ansätze dazu sind vorhanden. Die Open-Web-Index-Initiative wird die Idee der öffentlichen Dateninfrastruktur als Nährboden für das Blühen von Startups auch im laufenden Jahr zum inhaltlichen Schwerpunkt machen.

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