Von kostenlos zu fair bezahlt: Wie Bezahlsysteme unsere Informationswelten verändern können

Ein Beitrag anlässlich des Di.DAYs

„Alles umsonst, kostet nichts“, nur mit diesem Versprechen konnten große Dienste eine große Macht erringen. Wir wissen natürlich, dass das nicht stimmt. Alles kostet und die Kosten für digitale Dienste werden über Werbung eingefahren, über andere Dienste, über die Nutzung der Daten sowie über deren Weiterverkauf. Die großen Player dokumentieren Verknüpfungen über Geräte hinweg, erarbeiten Nutzerprofile, auch diese Profile sind ein Geschäft. Das alles ist wohl bekannt, dennoch verbinden viele Nutzer „kostenlos“ mit einer einfachen Nutzungsfreigabe. Lieber erträgt man die Werbung, die anderen Folgen lassen sich gut ausblenden: Ich hab nichts zu verbergen. Es sind die versteckten Kosten der Freemium-Kultur.

Werbefreiheit als Qualitätsmerkmal, nicht als Luxus

Werbung nervt. Aber nicht nur das. Werbung stört nicht nur den Konsum des digitalen Dienstes, sie kann auch beeinflussen, welche Inhalte gesehen, priorisiert oder empfohlen werden. In vielen Fällen reicht die Werbeabhängigkeit aus, um redaktionelle oder neutrale Vermittlung zu kompromittieren, so etwa bei Online-Nachrichtenportalen, wo Werbung in den sozialen Feeds erscheint und sich vom Design her an echte Artikel anpasst. Auch Suchmaschinen werden davon beeinflusst, etwa, indem echte Inhalte auf der Ergebnisseite zunehmend verdrängt werden.

Bezahlschranken, manchmal aus der Not geboren, können hier auf mehreren Ebenen Chancen eröffnen: Werbefreie Plattformen haben oft bessere Möglichkeiten, unabhängig zu berichten und Informationen zu ranken, ohne kommerzielle Verzerrungen. Der Wechsel von einem werbefinanzierten Modell zu einem Bezahlsystem (zum Beispiel einem Abo) macht es für digitale Dienste grundsätzlich einfacher, Transparenz herzustellen, da sich die Geschäftsinteressen von der Maximierung der Nutzerdaten (für Werbung) hin zur Nutzerzufriedenheit verschieben können. Ein Abo-Modell beseitigt die Notwendigkeit, die Nutzer zu tracken, um sie zu vermarkten. Vielfach ist es möglich, Benutzeroberflächen „ehrlich“ gestalten, da die Dienste nicht gezwungen sind, Nutzer durch manipulatives Design (z.B. Dark Patterns) zu möglichst langem Verweilen oder Klicks auf Werbung zu drängen

Ein weiterer zentraler Punkt ist der Fokus auf Privatsphäre. Wenn Dienste kostenpflichtig werden, verschiebt sich das Gleichgewicht zwischen Kommerz und Unabhängigkeit zwar nicht automatisch in Richtung Privatsphäre. Aber auch in Bezug auf Privatsphäre kann die Werbefreiheit ein erster Schritt sein.

Zugangsmodelle und Gerechtigkeit

Werbefreiheit ist also kein bloßes Komfortmerkmal, sondern ein Qualitätsmerkmal. Es ergibt sich eine stabilere Geschäftslogik jenseits von kurzfristigen Werbeeinnahmen, die wegbrechen könne und daher niemals echte Sicherheit bieten. Wer zahlt, bestimmt. So kann es vorkommen, dass der digitale Dienst gezwungen wird, Daten zu erheben, wo er eigentlich keine erheben will. Bezahlsysteme ermöglichen es darüberhinaus, dort unabhängiger von algorithmischen Optimierungskorsetts zu handeln, wo diese vor allem Werbeeinnahmen maximieren sollen.

Gleichzeitig bleibt die Frage, wer diesen Dienst, der auf Werbung verzichtet, bezahlt: Wird der Dienst zu einem Premium-Club, der sich nur noch den gut Verdienenden öffnet, oder gelingt es, Modelle zu finden, die Zugang und Privatsphäre fair verteilen?

Ein zentrales Spannungsfeld ist damit die Öffnung des Zugangs. Hat, wer zahlt, Vorrang? Wenn sich auf sozialen Netzwerken etwa durch Bezahloptionen, die die Abhängigkeit von Werbung reduzieren, Nutzer einen Vorteil erkaufen können, ist dies durchaus problematisch. Aber auch bezüglich Suchmaschinen sollte es grundsätzlich für alle Mensschen die Möglichkeit geben, Privatsphäre und Informationsfreiheit zu realisieren. Vielleicht wären künftig Modelle denkbar, die gewissermaßen die Grundversorgung sicherstellen, etwa durch staatliche oder gemeinnützige Initiativen, heruntergebrochene Preismodelle, oder Lizenzen für Bildungseinrichtungen und benachteiligte Nutzergruppen. Es wäre eine Idee. Die Debatte um kostenpflichtige statt werbefinanzierter Dienste (ganz allgemein, nicht nur auf Suchmaschinen bezogen) darf jedenfalls nicht in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft münden, in der nur reiche Personen Zugang zu zuverlässigen Informationen und fairen Algorithmen erhalten.

Wie wir damit umgehen

Seit Ende 2024 gibt es MetaGer nur noch in der werbefreien Variante. Unsere Nutzer werden also nicht mehr mit Werbung konfrontiert. Wir können seitdem besser planen, sind Schwankungen in den Einnahmen weniger unterworfen, haben ein stabileres Geschäftsmodell. Der kontinuierliche Zuwachs an zahlende Vereinsmitglieder sichert uns Unabhängigkeit. Ein großer Nachteil ist jedoch, dass sich, auch wenn die Hürde gering ist, nicht jeder ein Abo leisten kann oder will. Wir sind auf einen kleinen Kreis von Nutzern geschrumpft, die Reichweite, Bekanntheit und damit auch Relevanz von MetaGer sinkt. Das ist – gerade auch in Bezug auf das allgemeine Ziel, immer mehr Menschen von unabhängigen Diensten zu überzeugen – ein Problem. Unser Ziel wird also immer bleiben, irgendwann auch wieder eine Variante anzubieten, die jedem Menschen zugänglich ist – gestützt von jenen Einnahmen, die wir durch zahlende Nutzer haben. So funktioniert Solidarität.

Fazit: Von der Illusion zur informierten Entscheidung

Das Versprechen „alles umsonst“ hat sich auf unser Verständnis von Digitalität gelegt – als wäre der Preis allein monetär. In Wahrheit zahlen wir mit Aufmerksamkeit, Daten, Privatsphäre und manchmal auch mit der Unabhängigkeit der Informationsvermittlung. Kostenpflichtige Modelle können Qualität, Privatsphäre und Unabhängigkeit fördern – aber nur, wenn sie klar, fair und nutzerorientiert gestaltet sind. Nutzer, Journalismus, Zivilgesellschaft und Regulierung stehen gemeinsam in der Verantwortung, Modelle zu entwickeln, die Zugang, Freiheit und Informationsvielfalt bewahren.

About the author

Seit 2013 arbeite ich für den SUMA-EV im Bereich Social-Media, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Vor meiner Tätigkeit beim SUMA-EV habe ich kreatives Schreiben für Kinder unterrichtet und als Autorin gearbeitet.
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