Diskussion mit medienpolitischer Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Dorothee Bär

Beim SuMa-Kongress 2008 waren die medienpolitischen Sprecher/innen aller Bundestagsfraktionen in der Podiumsdiskussion zum Thema „Die Zukunft der digitalen Informationsgewinnung in Deutschland“ vertreten. Aus dieser Podiumsdiskussion ergab sich eine bilaterale und kontroverse Diskussion mit der medienpolitischen Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Frau MdB Dorothee Bär, die sich um die Frage drehte, inwiefern Zeitungen und Suchmaschinen als Informationsvermittler gleichzusetzen oder ähnlich sind. Diese Diskussion halte ich für so interessant, dass ich sie hier öffentlich machen und auch gern zum Mitdiskutieren anregen möchte. Im Folgenden stelle ich die beiden Standpunkte in zwei emails gegenüber:

  • Wolfgang Sander-Beuermann: Suchmaschine und Zeitung sind als Informationsvermittler sehr ähnlich und für die Monopoldiskussion gleichzusetzen.
  • Dorothee Bär: Suchmaschine und Zeitung sind als Informationsvermittler so unterschiedlich, dass man sie für die Monopoldiskussion nicht als gleichbedeutend ansehen kann.

Dazu zunächst als erstes meine email an Frau Bär:

Date: Tue, 7 Oct 2008 18:08:16 +0200
From: wsb@suma-ev.de
To: dorothee.baer@bundestag.de
Subject: Diskussion beim SuMa-eV Kongress am 25.9.08 in Berlin
Reply-To: wsb@suma-ev.de

Hallo Frau Baer,

[… Text deleted …] … und
begruende mein Statement, DASS die Ergebnisseite einer Suchmaschine und
eine Zeitung SEHR aehnlich sind (dass es also, wenn es nur noch eine
Suchmaschine gibt, dies gleichbedeutend damit ist, dass es nur noch
eine Zeitung gibt … das war das Argument von mir, welchem Sie
widersprachen).

Here we go:

Der Inhalt einer Zeitung setzt sich aus Fakten und Meinungen zusammen.
Eine _gute_ Zeitung enthaelt auch unterschiedliche, sogar
widerspruechliche Meinungen. Unterschiedliche Zeitungen unterscheiden
sich dadurch, dass sie – neben weiteren unterschiedlichen Meinungen –
vor allem unterschiedliche THEMEN behandeln.

Der Inhalt der Ergebnisseite einer Suchmaschine setzt sich ebenfalls
aus Fakten und Meinungen (zum Thema der Suchabfrage) zusammen.
Unterschiedliche Suchmaschinen unterscheiden sich dadurch, dass sie
unter den ersten 10 bis 30 Ergebnissen SEHR unterschiedliche
Zitatstellen auflisten. Letzteres ist durch verschiedene Untersuchungen
detailliert nachgewiesen (z.B.:
http://www.infospaceinc.com/onlineprod/Overlap-DifferentEnginesDifferentResults.pdf).
Wenn es also nur noch EINE Suchmaschine gibt, dann gibt es nur noch
EINE Instanz, welche ueber die Relevanz oder Bedeutungslosigkeit
unterschiedlicher Themen entscheidet.

Genau wie bei den Zeitungen: wenn es nur noch eine einzige gibt, dann
entscheidet nur noch diese eine Zeitung, was thematisiert wird – und
das ist bei den Suchmaschinen ganz genau so (was zu beweisen war).

Ich wuerd mich freuen, wenn Sie den „Fehdehandschuh“ 😉 aufnehmen!
[…]
Ich denke, diese Frage (eine einzige
Suchmaschine = eine einzige Zeitung) ist eine Kernfrage der
Monopol- und Pluralismusdiskussion.

Herzliche Gruesse!
Wolfgang Sander-Beuermann


Dazu die Antwort von Frau Bär:

From: „Dorothee Baer“
To:
Subject: AW: Diskussion beim SuMa-eV Kongress am 25.9.08 in Berlin
Date: Tue, 4 Nov 2008 18:53:25 +0100

Sehr geehrter Herr Sander-Beuermann,

herzlichen Dank für Ihre E-Mail vom 7. Oktober, in der Sie mich zur „Fehde“
auffordern. Inhaltlich sind wir jedoch gar nicht so weit voneinander
entfernt, auch wenn ich nach wie vor der Ansicht bin, dass sich Zeitung und
Suchmaschine nicht ohne weiteres gleichsetzen lassen: Ein Vergleich wie
dieser greift zu kurz.

Eine Zeitung, hinter der in vielen Fällen ganz offensichtlich eine bestimmte
Weltanschauung steht, dient der politischen Meinungsbildung. Bei der
Suchmaschine ist dies nicht – in erster Linie – der Fall. Eine große
Suchmaschine, wie beispielsweise Google, wird auch immer verschiedene Themen
und Meinungen zu einer Anfrage liefern. Jedoch, und in diesem Punkt gebe ich
Ihnen Recht, ist es wichtig, Suchmaschinen in dem Bewusstsein zu nutzen,
dass das Ergebnis niemals einen objektiven Überblick über die tatsächlich
vorhandene Information zu einem Thema liefert und liefern kann. Auch das
Ranking der Suchergebnisse unterliegt bestimmten, subjektiven Kriterien.
Hier müssen wir ansetzen, denn Aufklärung tut Not. Das Problem besteht,
meiner Meinung nach, nicht darin, dass es nur eine Suchmaschine gibt (denn
es existieren ja in der Tat einige Alternativen zu Google), sondern, dass
von knapp 90 % der Surfer nur eine Suchmaschine genutzt wird.

Mit freundlichen Grüßen

Dorothee Bär

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Dorothee Bär, MdB

Mitglied im Ausschuss für Kultur und Medien
Obfrau im Unterausschuss Neue Medien
1. Stellvertretende Vorsitzende der Jungen Gruppe der CDU/CSU-Fraktion
Mitglied im CSU-Parteivorstand

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